Bildung : Streit um Leistungsklassen

Werden Klassen zur Förderung besonders Begabter abgeschafft?
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Werden Klassen zur Förderung besonders Begabter abgeschafft?

Die Leistungs- und Begabtenklassen waren von Anfang an umstritten. In der Prignitz wurden sie gar nicht eingerichtet.

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18. März 2014, 13:15 Uhr

Die Linke ruft im Wahlkampf wieder zur Abschaffung auf. Die CDU verteidigt sie und die SPD hat vorsichtshalber erst einmal keine Meinung. Die wissenschaftliche Überprüfung, auf die alle warten, steht aus.

Gabriele Schölzel ist eine leidenschaftliche Verfechterin der Leistungs- und Begabtenklassen (LuBK). Die Leiterin des Friedrich-Anton-von-Heinitz-Gymnasiums in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) verweist darauf, dass mit diesem Instrument jedes Jahr besonders sprachbegabte Schüler ausgewählt werden und schon nach der vierten Klasse von der Grundschule auf das Gymnasium wechseln, zwei Jahre früher als andere Schüler.

Die Schule in Rüdersdorf hat sich auf Französisch spezialisiert und führt diese Klassen neben dem deutschen Abitur parallel zur französischen Hochschulreife. Ein in Brandenburg einmaliges Angebot, das sehr nachgefragt ist.

Eingeführt wurden die speziellen Klassen noch zu Zeiten, als das Abitur erst nach 13 Jahren abgelegt wurde. Als sogenannte Schnellläuferklassen führten sie in der zwölften Klasse zur Hochschulreife. Als das zwölfjährige Abitur verbindlich wurde, setzte die CDU, die damals mit der SPD regierte, durch, dass Leistungsklassen ab 2007/08 als Form der Begabtenförderung erhalten bleiben.

Einzelne Kreise wie Oberhavel, die Prignitz und die Uckermark scherten gleich aus und richteten keine solchen Klassen ein. Insgesamt existieren noch an 35 Gym-nasien LuBK.

In Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) und Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) reichte die Nachfrage 2013 nicht für eine neue Klasse. Insgesamt gingen die Anmeldungen in den vergangenen Jahren zurück. Allerdings übersteigt das Interesse oft noch die Aufnahmemöglichkeiten.

Die Linke hat in ihrem Wahlprogramm die Forderung aufgemacht, die Begabtenklassen abzuschaffen. Die bildungspolitische Sprecherin, Gerrit Große, erklärt, dass es sich nicht wirklich um hochbegabte Kinder handele, sondern um allgemeine Wissens- und Intelligenztests, die auch durch bildungsnahe Elternhäuser begünstigt werden. Sie verweist darauf, dass es im Land einige wenige Schulen für mathematisch und naturwissenschaftlich hochbegabte Kinder gibt. Auch Sportschulen existieren.

Große vermisst jedoch Schulen für besonders musisch oder sprachlich Begabte. Ihre Partei würde die knapp 100 extra zur Verfügung gestellten Lehrer für Leistungsklassen gern nutzen, um zwei, drei Spezialschulen für musisch und sprachlich begabte Kinder einzurichten.

Die CDU tritt für den Erhalt der Leistungsklassen ein. Sprecher Gordon Hoffmann findet es auch an der Zeit, die Beschränkung auf maximal 35 Klassen im ganzen Land aufzugeben und sich stattdessen am Bedarf zu orientieren.

„Ich wäre froh, wenn sich meine Partei endlich zu einer Meinung durchringen könnte“, sagt der bildungspolitische Sprecher der SPD, Thomas Günther. Noch schwankt man zwischen Ruhe bewahren und nicht verändern einerseits und dem Wunsch, das Experiment generell zu beenden, andererseits. Günther plädiert dafür, die Lehrkräfte in den Kreisen lieber in Stützpunkten für Begabtenförderung beispielsweise für Vorbereitungen auf Mathematikolympiaden zu nutzen.

Der Landeselternrat hat sich noch keine Meinung gebildet. „Wir sind sehr für Begabtenförderung“, sagt Sprecher Wolfgang Seelbach. Allerdings ist immer noch nicht erwiesen, ob die Leistungsklassen zu besseren Schulergebnissen führen. Eine lang erwartete wissenschaftliche Auswertung soll erst Ende des Jahres vorliegen.

Gabriele Schölzel muss sich jedenfalls vorerst keine Sorgen machen. Sowohl Hoffmann, Günther als auch Große sind der Meinung, dass etwas so Einmaliges wie die Rüdersdorfer Französischklassen in der Bildungslandschaft Brandenburgs erhalten bleiben müssen.

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