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Experten : Sitzenbleiben ist langfristig sinnlos

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Leistungsvorsprung, den Wiederholer in den ersten Wochen in der neuen Klasse hätten, sei nach einem Jahr schon verschwunden, sagt Bildungsforscher Rainer Watermann.

Heute macht es das Zeugnis für manch einen Schüler in Berlin und Brandenburg amtlich: Sitzengeblieben. Doch jeder, dem dieser Weg empfohlen wird, hat nun gute Argumente dagegen: die Ehrenrunde an der Schule macht langfristig überhaupt keinen Sinn, so jedenfalls die Expertensicht. Der Leistungsvorsprung, den Wiederholer in den ersten Wochen in der neuen Klasse hätten, sei nach einem Jahr schon verschwunden, sagt Bildungsforscher Rainer Watermann von der Freien Universität Berlin. „Im weiteren Verlauf fallen die Wiederholer dann wieder hinter ihre neuen Klassenkameraden zurück.“ Bei Kindern, die trotz schlechter Leistungen versetzt würden, laufe die Lernkurve in der Regel günstiger als bei Sitzenbleibern.

Die Ehrenrunde an der Schule ist seit langem umstritten. In Berlin ist sie bereits teilweise abgeschafft: Nur Gymnasiasten müssen bei schlechten Leistungen Klassen wiederholen. Laut Bildungsverwaltung drehten im vergangenen Schuljahr rund 3000 Berliner eine Ehrenrunde – einige sogar freiwillig. In Brandenburg dagegen können Kinder und Jugendliche in allen Schulformen mit entsprechenden Noten sitzenbleiben.


Inhalte bleiben dieselben


Mittel- und langfristig hätten die Wiederholer in ihrer Leistungsentwicklung aber keinen Vorteil, sagt Watermann. Denn im Prinzip ändere sich für die Jugendlichen in der neuen Klasse ja wenig. „Es gibt keine andere Form des Unterrichts. Die Inhalte bleiben dieselben.“ Eine reine Verlängerung der Lernzeit helfe nicht gegen Verständnisschwierigkeiten.

Die könnte man nach Einschätzung des Forschers statt durch Sitzenbleiben besser durch individuelleren Unterricht wie Nachhilfe angehen. „Beim Eins-zu-Eins-Unterricht kann man viel gezielter als im normalen Unterricht an den Verständnisschwierigkeiten der Schüler ansetzen. Man kann Wissen individuell aufbauen, was häufig im Unterricht nicht passiert.“

Derweil hat die Lehrergewerkschaft GEW das Bildungsministerium heftig für die Personalausstattung an den Schulen kritisiert. „Die personelle Situation habe sich dramatisch zugespitzt“, heißt es in einem Schreiben an die Landesregierung.

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