Rechte Gewalt : Schwerin im Visier der NSU-Terroristen

Keine Hinweise auf Pläne in Brandenburg − Weiterer Untersuchungsausschuss

svz.de von
27. November 2015, 00:35 Uhr

Die rechtsterroristische Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) hatte noch Ziele in mehreren Bundesländern im Blick. Zwar gibt es noch keine Hinweise, dass auch in Brandenburg Morde und Anschläge konkret geplant worden waren. Aber im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern war die NSU offensichtlich aktiver als bislang bekannt. Das belegen Dokumente, die in dieser Woche beim NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in München aufgetaucht sind.

So präsentierten zwei Polizeibeamte während der Verhandlung am Dienstag Ausschnitte von Stadtplänen unter anderem für Rostock, Greifswald, Schwerin und Wismar. Auf diesen Karten soll das mutmaßliche Terror-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe handschriftlich Adressen und Ausspähnotizen über politische und ausländische Einrichtungen sowie über Geldinstitute vermerkt haben. Vermutlich haben sie in diesen Städten Ziele ausgespäht.

„Das wirft erneut die Frage auf, ob es auch in Mecklenburg-Vorpommern Kontaktpersonen und Hinweisgeber aus der rechtsextremen Szene gab, die den NSU bei seiner die Mordserie aktiv unterstützt haben“, sagte gestern Julian Barlen, Fachsprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus der SPD-Landtagsfraktion, gegenüber unserer Redaktion.

Die Stadtpläne gehören zu den Asservaten aus der abgebrannten Zwickauer Wohnung der Gruppe, die zum Teil mit modernen Methoden aufwendig restauriert wurden. Bereits Ende Oktober wurden im Prozess ähnliche Stadtpläne mit Notizen unter anderem für Stralsund präsentiert. In der Hansestadt soll der NSU am 7. November 2006 und 18. Januar 2007 eine Filiale der Sparkasse Vorpommern überfallen und insgesamt 254    000 Euro erbeutet haben. Außerdem soll der NSU am 25. Februar 2004 im Döner-Imbiss „Mister-Kebap-Grill“ im Rostock-Dierkow den 26-jährigen türkischen Staatsbürger Mehmet Turgut mit vier Schüssen ermordet haben. „Es wäre unplausibel, wenn nicht ein Netzwerk von Hinweisgebern und Helfern hinter dem NSU stand“, so Barlen.

Laut Innenministerium konnten direkte Verbindungen des NSU zu Mecklenburg-Vorpommern trotz umfangreicher Ermittlungen bisher nicht festgestellt werden.

Im Prozess in München muss sich die Hauptangeklagte Zschäpe für die Serie von zehn Morden zwischen 2000 und 2007 und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten. Die beiden anderen Mitglieder des NSU, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard, wurden nach einem Banküberfall in Eisenach im November 2011 tot in einem Wohnmobil gefunden.

Am Mittwoch wurde ein zweiter Untersuchungsausschuss des Bundestages zu den NSU-Morden gebildet.

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