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Elektronische Überwachung : Schulschwänzer können aufatmen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fehlt ein Kind in der Schule, greifen elektronische Mechanismen: Eine automatische SMS geht an die Eltern, die Abwesenheit wird in einem Computer-Klassenbuch registriert. Diese modernen Hilfsmittel werden bereits in mehreren EU-Staaten angewandt.

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 08:47 Uhr

Berlin hat im Vorjahr entsprechende Pilotprojekte eingeführt. In Brandenburg indes sieht man für die Erfassung von Schulschwänzern keine Notwendigkeit.

Die bestehenden Regelungen hätten sich bewährt, heißt es dazu im Potsdamer Bildungsministerium. „Die Schulen haben eigene Verfahren entwickelt, um mit Schulschwänzern umzugehen“, so Sprecher Stephan Breiding. „Eltern werden per Telefon oder E-Mail persönlich kontaktiert. Es greifen pädagogische Maßnahmen.“ Eine Statistik zu Schulschwänzern existiert im Land nicht. Probleme wie in der Hauptstadt, in der rund drei Prozent der Schüler als hartnäckige Schulschwänzer gelten, gebe es in Brandenburg einfach nicht.


Projekte und Polizei sollen helfen


Verpuffen die genannten Maßnahmen, müssten die Einrichtungen die Fälle gegenüber den Schulämtern anzeigen. Dann wiederum würden Jugend- und Ordnungsämter eingeschaltet, den Eltern drohen Bußgelder, so Breiding. Als letztes Mittel können Schulschwänzer auch mithilfe der Polizei in die Schulen gebracht werden. Der Sprecher verweist zudem auf 27 Schulverweigererprojekte. Die Erfolgsquote der Einrichtungen ist nach Angaben des Ministeriums groß: 87 Prozent der Teilnehmer hätten die Projekte regulär beendet und konnten entweder einen Schulabschluss erreichen oder wurden wieder in eine Regelschule integriert.

Auch der Brandenburgische Pädagogenverband erkennt derzeit nicht die Notwendigkeit, Schulschwänzer elektronisch zu erfassen oder für sie strengere Regeln zu erlassen. „Die Kommunikation mit den Eltern funktioniert“, sagt der Landesvorsitzende Hartmut Stäker. Meist konnten Schulverweigerer dadurch „bekehrt“ werden. Stäker hat zudem Zweifel, ob sich sogenannte elektronische Klassenbücher durchsetzen werden. „Das ist zu unpersönlich.“

Aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sind Schulschwänzer auch in Brandenburg ein markantes Problem. „Uns fehlen aber dazu verlässliche Daten“, sagt der Landesvorsitzende Günther Fuchs. Prävention ist nach seiner Auffassung der beste Weg, um Schulverweigerung zu bekämpfen, dafür brauche man mehr Personal. So sei in Brandenburg im Durchschnitt ein Schulpsychologe für 10 000 Schüler zuständig. Auch die Ausstattung mit Sozialarbeitern weise große Defizite auf.

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