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Zulauf vielerorts am Limit : Schüler-Flut sorgt für Probleme

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Klassen in Brandenburg durch bevorstehenden Schüler-Zulauf vielerorts am Limit / Lehrer wie Eltern fürchten um Qualität des Unterrichts

In Leegebruch (Oberhavel) ist das Problem vom Tisch. Nachdem sich Eltern mit einer Unterschriftenliste an Bildungsministerin Martina Münch (SPD) wandten, gab das Staatliche Schulamt Perleberg grünes Licht für eine zweite erste Klasse an der Grundschule der Oberhavel-Gemeinde. Betroffene Eltern gehen davon aus, dass nun auch eine zusätzliche Lehrerstelle geschaffen wird. Zunächst hatten sie befürchtet, dass überzählige Schulanfänger in den beiden Flex-Klassen untergebracht werden. Doch dieser Vorschlag wurde auch von der Schulleiterin heftig kritisiert. In Flex-Klassen mit bis zu 28 Schülern könne das Konzept des jahrgangsübergreifenden Unterrichts mit leistungsstarken und – schwachen Schülern nicht mehr gewährleistet werden, argumentierte sie.

Vor allem im Speckgürtel rund um Berlin häufen sich Probleme mit großen Klassen, erläutert Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landeselternrates. Hintergrund ist, dass es viele junge Familien an den Rand der Großstadt zieht. „Im ländlichen Raum sieht die Situation anders aus“, sagt Seelbach.

Die Kultusministerkonferenz der Länder empfiehlt Brandenburger Grundschulen eine Klassenstärke von 25 Kindern.

Im Bernauer Ortsteil Schönow (Barnim) aber werden im neuen Schuljahr 28 Schulanfänger pro Klasse lernen. Das Schulamt gesteht der Grundschule drei erste Klassen zu. Zugleich gibt es 84 angemeldete Erstklässler und die Vermutung, dass weitere hinzukommen. Inzwischen formiert sich Widerstand.

Indes berichtet Elternrat-Sprecher Seelbach, dass Klassen mit 28 Schülern nicht ungewöhnlich sind. Er sagt aber auch, dass die individuelle Förderung der Schüler in diesen Fällen auf der Strecke bleiben kann. „Deshalb fordern wir, dass die Frequenz auf 23 bis 25 Schüler runtergeht.


Ministerium verweist ebenfalls auf Studien


Zumindest in der Grundschule lohnen sich kleine Klassen, heißt es auch bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Verschiedene Studien hätten ergeben, dass die Kluft zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Schülern in kleinen Klassen entsprechend geringer ist.

Stephan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums, verweist seinerseits auf Studien. Demnach ergibt sich ein positiver Effekt nur, wenn maximal 15 Kinder gemeinsam unterrichtet werden. „Doch das ist nicht finanzierbar“, sagt Breiding. Mit einer Maximalstärke von 28 Schülern und in Ausnahmefällen bis zu 30 Schülern pro Klasse zu Schuljahresbeginn liege Brandenburg im Ländervergleich im Schnitt.

Laut Breiding gibt es landesweit aktuell 5216 Klassen in Grundschulen öffentlicher Trägerschaft. In weniger als einem Prozent würden die Klassen mehr als 28 Kinder zählen. An den weiterführenden Schulen gibt es insgesamt 3205 Klassen. Davon würden etwa zehn Prozent 29 oder 30 Schüler zählen. „Dort werden die Klassen vor allem deshalb voll gemacht, um den Wunsch der Eltern nach einer bestimmten Schule zu erfüllen“, erläutert Breiding.

Das klappt nicht immer. Beispiel Hennigsdorf (Oberhavel): Dort kann das Schulamt 80 Oberschülern ihren Wunsch nicht erfüllen. Weil eine große Übernachfrage besteht, müssen sie künftig auf weit entfernte Schulen ausweichen. Jetzt hagelt es Widersprüche von Eltern. Zudem muss eine der beiden Hennigsdorfer Oberschulen eine Klasse mit 28 Schülern zusätzlich einrichten, „obwohl wir dazu eigentlich gar keinen Platz haben“, wie Schulleiterin Yvonne Hilgert sagt.

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