Eröffnung : Schaufenster des Wissens

Die Bibliothek des neuen Bildungsforums.
Die Bibliothek des neuen Bildungsforums.

Potsdam wird an diesem Wochenende um eine Attraktion reicher. Hinter den unbestimmten Begriffen wie Wissenschaftsetage, Forschungsfenster oder Wohnzimmer der Hochschulen verbergen sich Ausstellungen und Veranstaltungen .

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01. März 2014, 13:56 Uhr

Potsdam wird an diesem Wochenende um eine Attraktion reicher. Hinter den unbestimmten Begriffen wie Wissenschaftsetage, Forschungsfenster oder Wohnzimmer der Hochschulen verbergen sich Ausstellungen, Veranstaltungen und ein spektakuläres Glashaus über den Dächern der Stadt.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) erklärt es so: Als sich Potsdam vor zehn Jahren um den Titel als Stadt der Wissenschaft bewarb, konnte man zwar drei Hochschulen und viele Institute vorzeigen, aber so richtig zu spüren war von ihnen nichts im Stadtleben. Schließlich sind die meisten am Stadtrand angesiedelt und tragen abgehobene Namen wie Geoforschungszentrum oder Astrophysikalisches Institut.

Der Plan, die Wissenschaft in die Stadt zu holen, musste einige Jahre reifen. Nun ist es gelungen. Über der im vergangenen Jahr eingeweihten Stadt- und Landesbibliothek ist eine Wissenschaftsetage entstanden. Auf 1600 Quadratmetern haben sich Forschungseinrichtungen Büros und Seminarräume geschaffen. Vor allem die Universität Potsdam, die auf drei Standorte verteilt ist, wird hier ihre Weiterbildungen und internationalen Veranstaltungen organisieren. Gemeinsam mit 40 außeruniversitären Einrichtungen wurde ein Verbund gegründet, der die Etage betreibt und bespielt.

Bespielen ist das Stichwort für das zweite Anliegen: den Potsdamern und ihren Gästen vor Augen führen, was in der Stadt geforscht wird. Dazu soll eine Ausstellung mit freiem Eintritt einladen. In edlem Schwarz-Weiß wird an acht großen Würfeln Wissen vermittelt. Die Neugierde wird durch entsprechende Fragestellungen geweckt: Wieso sind Knochen so stabil? Welche Botschaften erreichen uns aus dem All? Kann man das Universum hören? Wie wurde der Koran überliefert? Wie entsteht ein neuer Dialekt? Wie lernen Menschen lesen? Die Frage, wie stabil Glas ist, beantwortet das Geophysikalische Institut beispielsweise anhand von Glasschlamm, der in 5000 Meter Tiefe in den Ozeanen existiert. Das Konzept der Ausstellung sieht vor, dass jedes Jahr andere Institute hier neue Fragen aufwerfen und so auf die eigene Arbeit neugierig machen können. Unter dem in der Landeshauptstadt bereits etablierten Titel „Potsdamer Köpfe“ sollen in der Wissenschaftsetage Vorträge gehalten werden. Der nächste hat ein zeitgeschichtliches Thema: Häftlingsfreikauf in der DDR. Zur heutigen Eröffnung ist ein Familientag mit Puppentheater zur Wissensvermittlung vorgesehen. Bei einer Art Speed-Dating kann sich der Besucher zudem einige Minuten mit den Koryphäen der einzelnen Institute unterhalten, bevor er zum nächsten Wissenschaftler weiterrückt.

Der architektonische Clou befindet sich eine Etage über der Ausstellung auf dem Dach der Landesbibliothek: ein auf drei Seiten verglaster Veranstaltungsort mit Kamin und Bar und einer Dachterrasse für bis zu 150 Personen. Das ist das, was der Wissenschaft zukommt, erläuterte Oberbürgermeister Jakobs: der Überblick. Und der ist mit der Havel, dem einen Steinwurf entfernten neuen Landtag und den innerstädtischen Baustellen beeindruckend.

Gekostet hat das Schaufenster der Wissenschaft rund zwei Millionen Euro. Der größte Teil kommt über den Etat der Potsdamer Universität aus Landesmitteln. 600 000 Euro finanzierte die Stadt. Die Fachhochschule Potsdam übernahm mit ihren Studenten die Erarbeitung und Gestaltung der Ausstellung. Über Mitgliedsbeiträge von Instituten und Einzelpersonen werden die Betriebskosten von rund 400 000 Euro pro Jahr eingespielt. Über langfristige Verträge sind die ersten zehn Jahre der Wissenschaftsetage gesichert, sagen die Betreiber.

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