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Lausitzkaserne wird für Flüchtlinge umgebaut : Sanierung unter Zeitdruck

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Unterbringung in Zelten sei das allerletzte Mittel, stellt Christian Görke (Linke) klar. „Das ist menschenunwürdig“, sagt er. „Gott sei Dank ist Sommer.“

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erstellt am 18.Jul.2015 | 16:00 Uhr

Die Unterbringung in Zelten sei das allerletzte Mittel, stellt Christian Görke (Linke) klar. Der Finanzminister schüttelt den Kopf, als er auf das neu eingerichtete Freiluftlager in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) zu sprechen kommt. „Das ist menschenunwürdig“, sagt er. „Gott sei Dank ist Sommer.“

Für Görke zählt jetzt jeder Tag. Er weiß, dass die Zelte schon in wenigen Monaten keine Alternative mehr sein können. Spätestens im Winter muss das Land in der Lage sein, die völlig überbelegte Erstaufnahmestelle dauerhaft anderweitig zu entlasten. Inzwischen entstehen mehrere Außenstellen – eine von ihnen weit im Süden Brandenburgs, in der alten Lausitzkaserne der Bundeswehr nahe Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster). Die Bundeswehr nutzt das Gelände nur noch für Schießübungen.

Inzwischen haben sich auf dem Areal ein paar Firmen angesiedelt. Doch die meisten Gebäude stehen seit acht Jahren leer. Sie stammen aus den 1970er-Jahren, wurden nach der Wende saniert und sind noch in einem relativ guten Zustand. Gut möglich, dass das Land die Immobilie auch deshalb für „sehr geeignet“ hält, wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) schon Anfang des Jahres betonte. Eine weitere Rolle dürfte spielen, dass der Bund die Immobilie mietfrei zur Verfügung stellt. Allerdings muss das Land gleichzeitig tief in die Tasche greifen. Rund 18 Millionen Euro sind zur Sanierung der benötigten Gebäude veranschlagt.

Geplant sind ein Männer-, ein Familien- und ein Fortbildungshaus, Einrichtungen zur medizinischen Versorgung, Büros für die Mitarbeiter der Betreibergesellschaft und eine Kantine. Vorerst sollen 400 Flüchtlinge an dem alten Bundeswehrstützpunkt unterkommen. Bis August 2016 sollen es um die 1000 sein.

Seit einigen Wochen sind die Handwerker zugegen. Elektrische Leitungen müssen verlegt, Schäden im Bodenbelag oder an Fenstern ausgebessert werden. Der Brandschutz wird komplett erneuert, die Sanitäranlagen werden instand gesetzt, der Maler muss kommen. Im Außenbereich soll unter anderem ein Sportplatz entstehen. Außerdem soll die neue Anlage umzäunt werden. Und die Bundeswehr bekommt eine Umgehungsstraße, um künftig abseits der Flüchtlingsunterkünfte zum Schießplatz zu gelangen.

Görke geht davon aus, dass die Unterbringung von Flüchtlingen in der alten Lausitzkaserne „keine Eintagsfliege“ wird. Die aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Migration geben ihm Recht. Im ersten Halbjahr 2015 wurden dort 179  037 Asylanträge gestellt – ein Anstieg um mehr als 130 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Während Innenminister Schröter Anfang des Jahres noch angekündigt hat, dass die ersten Flüchtlinge bereits im Sommer in Doberlug-Kirchhain untergebracht werden können, ist nun die Rede von Ende des Jahres. Und selbst dieser Termin ist für Görke „ein sportliches Ziel“. Aber erreichbar, wie der zuständige Architekt Thomas Seifert betont.

Görke hofft, dass die steigende Flüchtlingszahl auch als Chance begriffen werden. „Die Immobilie hier wäre sonst nicht mehr entwickelt worden“, meint der Minister. Doberlug-Kirchhains Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) gibt ihm recht. „Viele Einwohner denken irrtümlicherweise, dass wir Verantwortung dafür tragen, wenn die Kaserne immer weiter verfällt.“ Wie Görke betont auch Broszinski zwei weitere Vorteile. Bei derzeit 8600 Einwohnern bedeuten 1000 Flüchtlinge über zehn Prozent mehr Steuerbürger für Doberlug-Kirchhain, also deutlich mehr finanzielle Unterstützung vom Land. Nun wünscht sich der Bürgermeister nur noch, dass „alles reibungslos abläuft“ und sich keine Protest entwickelt.

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