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Politischer Aschermittwoch : Reime und Reden

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

CDU feierte in Doberlug-Kirchhain ihren politischen Aschermittwoch

„Sie sind heute im Anja Heinrich-Lager, in ihrem Wahlkreis.“ Als der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Doberlug-Kirchhain, Thomas Boxhorn, die scheidende Generalsekretärin der Brandenburger CDU in der Mehrzweckhalle der Weißgerberstadt begrüßte, jubelte der Saal. Aber beim 13. Politischen Aschermittwoch der Brandenburger CDU war die örtliche Landtagsabgeordnete zumindest offiziell nur eine Randfigur: Nach ihrem mittlerweile legendären Interview mit den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ ist die Politikerin in der Spitze der Landes-CDU zur unerwünschten Person mutiert. Ihre Rede wurde kurzfristig gestrichen. Nur die ebenfalls geschasste frühere Landesvorsitzende Saskia Ludwig, die sich in einem Fernsehinterview ähnlich wie Heinrich für eine Direktwahl des Landesvorsitzenden eintrat, steht noch an ihrer Seite.

Und der scheidende Landesvorsitzende Michael Schierack, der zum Parteitag am 25. April bereits seinen Rücktritt angekündigt hat, nutzte dann auch eine offensichtlich selbstgereimte und nicht immer dem Versmaß entsprechende Büttenrede zu massiver Kritik an der Generalsekretärin. „Die Narren, die sich amüsieren, müssen sich doch antrainieren Einheit und Geschlossenheit“, sagte Schierack. „Doch leider wird in unsern Wochen zu viel öffentlich und viel zu laut gesprochen.“ Und auch der Hauptredner des Abends, der Generalsekretär der Bundes-CDU, Peter Tauber, rief die Brandenburger CDU zur Geschlossenheit auf. Die Menschen nähmen es den Christdemokraten übel, „wenn wir uns streiten und uns mit uns selbst beschäftigen.“ Soweit also verlief in Doberlug-Kirchhain alles nach Plan für die Brandenburger CDU.

Doch dann folgte der erste große Auftritt des designierten Landesvorsitzenden Ingo Senftleben an der Parteibasis der märkischen Union. Wie beim politischen Aschermittwoch üblich wetterte der frühere Bürgermeister von Ortrand nach Kräften gegen die rot-rote Landesregierung. Das Kabinett von Ministerpräsident Dietmar Woidke habe eine „Wählertäuschung ersten Grades“ begangen. „Wir dürfen nicht vergessen, wo unser Gegner sitzt, in der Staatskanzlei“, sagte Senftleben. „Wir sind nicht unser eigener Gegner.“ Doch der Applaus blieb spärlich, zumal Senftleben an diesem Abend weit von den rhetorischen Meisterleistungen entfernt war, die er zuweilen im Landtag vollbringt. „Ich bin stolz auf diese Fraktion, weil jeder einzelne Kollege – zum Großteil - dienstags morgens bei der Fraktionssitzung da ist“, sagte Senftleben etwa während seiner Rede.

Am Ende jedenfalls sah man eine durchaus zufriedene Anja Heinrich in der Stadthalle von Doberlug-Kirchhain. Ganz ohne Rede hatte die Lokalmatadorin stets den meisten Applaus erhalten – wann immer ihr Name genannt wurde, feierte die Halle. Ob sie beim Parteitag am 25. April doch für den Posten der Landesvorsitzenden antritt? „Das werde ich nicht tun“, sagte sie gegenüber dieser Zeitung. „Aber ich werde mich weiter dafür einsetzen, den Landesvorsitzenden von den Mitgliedern bestimmen zu lassen.“


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