Krankenpflege-Ausbildung : Reform stößt auf Skepsis

Eine Ausbildung im Pflegebereich zahlt sich noch immer aus. Fachkräfte werden auch weiterhin in diesem Bereich vermehrt gesucht.
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Eine Ausbildung im Pflegebereich zahlt sich noch immer aus. Fachkräfte werden auch weiterhin in diesem Bereich vermehrt gesucht.

Landtag befürchtet Qualitätsverluste bei der Ausbildung von Pflegekräften

svz.de von
30. September 2015, 18:04 Uhr

In wenigen Wochen will die Bundesregierung den Gesetzentwurf für eine weitreichende Reform der Krankenpflege-Ausbildung vorlegen. Was über das Vorhaben bekannt ist, stößt im Landtag fraktionsübergreifend auf Skepsis.

Wie zwischen CDU/CSU und SPD vereinbart, werden die Ausbildungen zur Gesundheitspflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege zusammengelegt. „Der Wechsel zwischen den Berufen in der Pflege muss erleichtert werden“, heißt es im Koalitionsvertrag. Das gilt als Beitrag im Kampf gegen den Pflegenotstand. Jobs im Bereich sollen attraktiver werden. Die Pflegeschüler absolvieren künftig eine gemeinsame generalistische Ausbildung mit folgenden Spezialkursen für die Wunschrichtung. Drei Jahre soll das dauern wie bisher.

Zur Begründung wird auf den demografischen Wandel verwiesen. „Heute haben Sie es im Krankenhaus immer stärker mit pflegebedürftigen Menschen und in der Pflege mit oft schwer kranken Menschen zu tun“, sagt der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU). „Pflegefachkräfte brauchen eine Ausbildung für alle Sektoren und Altersgruppen“, ergänzt SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis. Zudem werte der Ansatz die für zu wenige junge Leute attraktive Altenpflegerausbildung auf.

Der Berufsverband Altenpflege und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste sind strikt gegen die Zusammenlegung. Sie fürchten Schmalspurausbildung. In diese Richtung gingen auch die Bedenken am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtags.

„Es gibt die Befürchtung, dass Qualität verloren geht“, sagte Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke). Es sei schwer, sich ein Bild vom künftigen Ausbildungsgang zu machen, da unklar sei, wie die Prüfungsordnung aussehe und der Bund sich die Finanzierung vorstelle. Ziel bleibe, Ausbildungseinrichtungen nicht noch stärker zu belasten, betonte Golze. Es seien noch viele Gespräche nötig, damit die Reform ein Gewinn für alle werde.

„Ich bin hin- und hergerissen“, gestand die CDU-Abgeordnete Roswitha Schier. „Wenn die Ausbildungszeit weiter bei drei Jahren liegt, ist klar, dass bei Inhalten gestrichen werden muss.“ Es sei nicht garantiert, dass nach der Ausbildung mehr junge Leute Altenpflegejobs annehmen. Für künftige Absolventen könne die neue Lehre aber möglicherweise neue Perspektiven bieten.

Der bündnisgrünen Abgeordneten Ursula Nonnemacher leuchtete nicht ein, was die Kinderkrankenpflege im generalistischen Gesamtpaket zu suchen habe. Im Umgang mit ganz jungen Patienten seien hoch spezialisierte Fachkräfte gefragt. „Was soll ein Pfleger in der Pädiatrie mit Kenntnissen aus der Altersmedizin anfangen?“

Große Einigkeit bestand, dass die Verunsicherung vielerorts groß ist und es Aufklärungsbedarf zum Für und Wider der Reform gibt. Daher verständigten sich die Abgeordneten darauf, sobald der Gesetzentwurf vorliegt, im Landtag ein Gespräch mit Experten aus der Praxis zu organisieren.

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