Wohnungsbau : Rätselraten um Wohnungsstatistik

Brandenburg beim Bau von günstigen Unterkünften Spitze – sagt der Bund und zweifelt das Land

svz.de von
27. Juli 2015, 18:30 Uhr

Eine Statistik des Bundes sorgt landesweit für Irritationen: Demnach soll die Zahl der Sozialwohnungen in Brandenburg seit 2012 um 67 Prozent auf knapp 66  000 gestiegen sein – entgegen dem Trend aller anderen Bundesländer. Selbst in Potsdam traut man dieser Statistik nicht.

„Brandenburg hat eine Erfolgsbilanz zu vermelden“, kommentiert Caren Lay, Vize-Chefin der Linken im Bundestag, die Antwort aus dem Bundesbauministerium auf ihre Anfrage. Da steht schwarz auf weiß, dass die Zahl der Sozialwohnungen deutschlandweit auf einen Tiefstand gesunken ist – rühmliche Ausnahme ist Brandenburg, das Bedürftigen innerhalb der vergangenen Jahre 67 Prozent mehr Wohnungen zur Verfügung stellen konnte. Wie Brandenburg das hinbekommen hat, kann auch die aus Sachsen stammende Lay nicht sagen. Für sie steht fest. Um den Bedarf zu decken, müssten bundesweit jährlich 150  000 Sozialwohnungen neu gebaut werden – und Brandenburg geht zumindest nach den Zahlen aus Berlin im Gegensatz zu Sachsen, wo der stärkste Rückgang vermeldet wurde, mit gutem Beispiel voran.

Bei der Landesregierung in Potsdam rätselt man im zuständigen Ministerium, wie die Zahlen zustande gekommen sind. Die eigenen sprechen eine andere Sprache: Von 2012 zu 2013 sind fast 10  000 Sozialwohnungen von der Bildfläche verschwunden. Entweder, weil die auf 15 Jahre ausgelegte Sozialbindung ausgelaufen ist oder weil die Wohnungen dem Abriss zum Opfer fielen. „Dieser Trend wird weiter anhalten“, sagt Ministeriumssprecher Steffen Streu. Obwohl der Bedarf nach günstigem Wohnraum in Ballungsgebieten und um sie herum ansteigt. „Wir haben die Mittel für die Wohnraumförderung in diesem Jahr auf 40 Millionen Euro aufgestockt“, sagt Streu. Die Zahlen vom Bund könne er sich nicht erklären.

Damit ist er nicht der einzige. David Eberhart vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) schließt einen Statistikfehler nicht aus, und auch beim Brandenburger Mieterbund schüttelt man angesichts der Meldung, dass Brandenburg seine Sozialwohnungen verdoppelt hat, nur mit dem Kopf. „Wir brauchen sparsame, bezahlbare Wohnungen kleinerer Bauart“, sagt ein Sprecher des Mieterbundes. Das sei erst am vergangenen Sonnabend bei einem Termin mit dem Brandenburger Infrastrukturministerium deutlich zur Sprache gekommen.

Nachfragen beim Bundesbauministerium, auf welcher Grundlage die Daten erhoben wurden, helfen nicht wirklich. Fragen zu den Zahlen seien an die Länder zu richten, da „die seit 2007 allein für die soziale Wohnraumförderung zuständig sind“, sagt eine Sprecherin. Aus Brandenburger Sicht steht fest: Das Land braucht mehr Sozialwohnungen. „In einigen Orten im berlinnahen Raum ist der Wohnungsmarkt sehr angespannt“, betont Sprecher Streu.

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