Porträt Ursula Nonnemacher : Politik statt Krankenwagen

Ursula Nonnemacher (dritte von links) will sich nicht von  Kernthemen abbringen lassen – auch wenn sie damit in der Prignitz kaum punktet.
Ursula Nonnemacher (dritte von links) will sich nicht von Kernthemen abbringen lassen – auch wenn sie damit in der Prignitz kaum punktet.

Ursula Nonnemacher ist Spitzenkandidatin der Brandenburger Grünen – ein Porträt

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27. Juli 2014, 16:33 Uhr

Die Kronen der Bäume spiegeln sich im Fließ, eine Bisamratte verschwindet im Wasser. Leise gleitet der Spreewaldkahn durch den Schlepziger Hochwald (Dahme-Spreewald). Ursula Nonnemacher sitzt auf einer Bank und macht sich Notizen. Selten nur ergreift die Spitzenkandidatin der Grünen selbst das Wort: Es sind die Unterstützer und Sympathisanten aus dem Landkreis, die bei der „politischen Kahnfahrt“ ihre Sorgen schildern. Das Biosphärenreservat, die Ockerspree, Probleme in einer örtlichen Schule. Nonnemacher zeigt sich interessiert, fragt nach und hört vor allem zu.

Das passt zu Ursula Nonnemacher: Im Potsdamer Landtag war die innenpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen in der letzten Legislaturperiode zwar die fleißigste Rednerin – 265 Mal trat sie ans Rednerpult –, doch die 57 Jahre alte Medizinerin ist keine politische Rampensau. Sie arbeitet hart, und sachorientiert – sei es beim Thema Asylpolitik, bei der Kommunalreform oder auch beim Wahlrecht mit 16, dessen Einführung in Brandenburg für die Spitzenkandidatin der Grünen einer der größten Erfolge ihrer Partei ist.

Ihre politischen Wurzeln hat Ursula Nonnemacher in der Kommunalpolitik. Ein Jahr, nachdem die Mutter von drei Kindern 1996 von Berlin nach Falkensee zog, war sie eine der Mitbegründerinnen des dortigen Ortsvereins der Grünen. „Ich wollte Dinge verändern“, sagt Nonnemacher. 2009 beschloss sie dann, die Intensivstation und den Notarztwagen mit einer Kandidatur für den Landtag zu vertauschen. Die Doppelkopf-Runden mit den mittlerweile erwachsenen Kindern wurden seltener. Und die Abendlektüre bestand auf einmal aus Anträgen und Berichten. Falkensee ist zu einer Hochburg der Brandenburger Grünen geworden. „Bei den Kommunalwahlen hatten wir 16,4 Prozent“, sagt Nonnemacher. „Und das, obwohl unser kommunalpolitisches Thema, die Nordumfahrung Falkensees, keine Rolle mehr spielte.“


Schwerer Stand in vielen Landkreisen


Anderswo kann von solchen Verhältnissen keine Rede sein. Die Mitgliederzahlen der Grünen liegen in der Prignitz, in Elbe-Elster oder in der Uckermark im unteren zweistelligen Bereich. Die Partei, die wie keine andere gegen Braunkohleabbau und Massentierhaltung kämpft, hat ausgerechnet dort schlechte Karten, wo Tagebaue aufgeschlossen und Hähnchenställe errichtet werden sollen. Also dort, wo die Menschen eigentlich besonders betroffen sein müssten. „Deswegen lassen wir uns aber nicht von unseren Kernthemen abbringen“, sagt Nonnemacher. „Das wäre ja absurd.“

Unter dem grammatikalisch fragwürdigen Motto „Gutes Morgen, Brandenburg!“ kämpft die Partei für einen Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030. „Wir wollen bei der Landtagswahl mindestens die 80 000 Stimmen holen, die wir 2009 hatten“, sagt Nonnemacher.

Als die Wahlen parallel zur Bundestagswahl stattfanden, hatten die Grünen 5,7 Prozent geholt und waren mit fünf Abgeordneten in den Landtag eingezogen. Ein bisschen mehr könnte in diesem Jahr realistisch sein – doch für eine Regierungsbeteiligung wird es wohl nicht reichen. Allen Umfragen zufolge werden die großen Parteien CDU, SPD und Linke auch in diesem Jahr die Koalitionen unter sich ausmachen. Ursula Nonnemacher ficht das nicht an. Während der Spreewaldkahn gemächlich das Fließ entlang gleitet, greift sie nach einer Biogurke. „Wir sind bereit, nach der Wahl mit allen im Landtag vertretenen Parteien außer der AfD zu reden“, sagt Nonnemacher und beißt herzhaft zu. Dass sie auch von der Oppositionsbank aus das politische Geschäft in Brandenburg bereichern kann, hat sie in den letzten fünf Jahren gezeigt.


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