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Ein Linker mit Stil : Paradiesvogel im Parlament

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Torsten Krauses Modegeschmack gefällt nicht jedem. Doch der Abgeordnete überzeugt mit seiner Arbeit.

Der Anzug war dunkelblau, das Hemd geblümt, als Torsten Krause vergangene Woche an seinem Tisch in der zweiten Reihe der Linkfraktion im Potsdamer Landtag Platz nahm. Neben der Abgeordneten Caroline Steinmetzer-Mann, die ein weiß-schwarz gestreiftes Kleid trug. Und zwischen einer ganzen Reihe Abgeordneter im normalen schwarzen Business-Anzug. Zu Beginn der letzten Sitzungstage fiel Krause nicht auf – das war selten im Potsdamer Parlament.

In der fünften Legislaturperiode des Potsdamer Landtags gab es keinen Abgeordneten, der bunter gekleidet war, als der Politiker der Linken aus der Uckermark. Blaue Lackschuhe, eine weiße Aktentasche, eine weiß-schwarz karierte Hose. Stets eine Fliege, manchmal drei Fliegen übereinander oder ein Anzug, zu dem Krause eine kurze Hose trug.

„Ich habe mich schon immer für Mode interessiert“, sagt Krause. Seine Klamotten kauft der Abgeordnete von der Stange ebenso wie im Designer-Laden. Ärger allerdings machten dem Abgeordneten manche Fernsehzuschauer. Denn weil Krause in der laufenden Legislaturperiode einer der Schriftführer des Parlaments war, hat man ihn häufiger mal im Fernsehen gesehen. Oft genug gab es deswegen Anrufe im Landtag. „Wie sieht der denn aus?“ war eine der harmloseren Zuschauerreaktionen.

Auch der einige von Krauses Kollegen geben hinter vorgehaltener Hand gern zu, dass an einem Plenartag der erste Blick in Richtung Linksfraktion geht: „Was trägt Krause heute?“

Doch während der Krause in den ersten Jahren der Legislaturperiode nur als bunter Vogel galt, hat er sich mittlerweile einen guten Ruf erarbeitet. Als steter Vorkämpfer für die Rechte von Kindern und Jugendlichen leitete er den Bildungsausschuss. Es ist sein Verdienst, im Streit um die Kinderheime der Haasenburg stets eine Null-Toleranz-Politik vertreten zu haben. Es war Krause, der den Koalitionspartner SPD so vor sich her trieb, dass Bildungsministerin Martina Münch (SPD) am Ende gar nicht anders konnte, als zu reagieren.

Im September freilich wird der direkt gewählte Abgeordnete das Parlament verlassen: Eine Promotion steht an – zu Krauses Thema, den Rechten von Kindern und Jugendlichen. „Das kann ich mir neben einem Landtagsmandat nicht vorstellen.“

Im Unterschied zu manchen Bundestagsabgeordneten, die berufsbegleitend promovieren, hat sich Krause bewusst nicht wieder für den Landtag aufstellen lassen. Weswegen dem weiß-roten Potsdamer Stadtschloss in der kommenden Legislatur nicht nur ein bunter Farbtupfer verloren geht.


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