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Perspektiven Für Rentner : Notstand in der Seniorenpolitik

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

SPD-Politikerin bescheinigt Brandenburg große Defizite im Umgang mit Alten.

Die Vorsitzende des Brandenburger Seniorenrats klagt über erhebliche Missstände im Land. Bei vielen Themen, etwa dem Wohnen im Alter, sei die Mark im Bundesvergleich „weit weit abgeschlagen“, kritisiert Sieglinde Heppener.

Die frühere Philosophie-Professorin gehört seit 2005 dem Landtag an und ist dort seniorenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Mit Ende dieser Legislaturperiode scheidet die 79-Jährige aus dem Parlament aus. Nun zieht sie eine kritische Bilanz zur Seniorenpolitik auf kommunaler und Landesebene. „Mit Blick auf die Alterspyramide muss jedem klar sein, dass wir auf eine Katastrophe zusteuern, wenn nicht mehr für die Senioren getan wird“, warnt sie. Das Thema sei offenbar nach wie vor nicht in allen Politikerköpfen angekommen, obwohl keineswegs nur berlinferne Regionen vom demografischen Wandel betroffen seien, sondern auch der Speckgürtel.

Konkret vermisst sie im Vergleich zu anderen Bundesländern ein angemessenes Angebot an alternativen Wohnformen für Senioren. Zwar gebe es vielerorts gute Projekte, aber die Lücken seien viel zu groß. „Es gibt viele Kommunen, die machen einfach gar nichts, obwohl das im Zuge der Daseinsvorsorge zu ihren Aufgaben zählt“, ärgert sich die SPD-Politikerin.

Deutlich höher als in anderen Regionen Deutschlands seien in Brandenburg die bürokratischen Hürden etwa für die Einrichtung von Senioren-Wohngemeinschaften.


Ideen werden nicht umgesetzt


„Da gibt es eine gute Idee und dann kommt die Feuerwehr mit einem dicken Stapel an Auflagen. Das darf nicht sein“, moniert Sieglinde Heppener. Hier trage das Land „einen schrecklichen Rucksack“ mit sich herum. „Ich will einen zulassenden Staat, nicht einen, der alles verhindert.“

Sie verdeutlichte, dass für ältere Menschen die Wohnung mehr und mehr zum Lebensmittelpunkt werde. Das Wohnumfeld entscheide darüber, wie lange ein Mensch selbstständig leben könne, wie lange er also kein Pflegefall ist. „Ziel von Seniorenpolitik muss sein, den Beginn der Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinauszuzögern.“ Einsamkeit sei das größte Pflegerisiko. „Teilhabe und Mobilität bestimmen darüber, wann und wie die Bürger alt werden.“

Vom im September neu zu wählenden Landtag erwarte sie, dass diese Fragen aufgenommen werden und dass Alte nicht über ihre Defizite wahrgenommen werden, sondern als Bereicherung.

Wünschenswert sei eine seniorenpolitische Strategie des Landes, die dann bis zu den Kommunen durchgreife. Die künftige Regierung müsse das Thema ressortübergreifend angehen. Es gebe immerhin bereits Pläne für eine Servicestelle der Landesregierung zum Thema Wohnen im Alter. „Ich wollte schon in dieser Legislaturperiode einen Runden Tisch dazu. Aber die Ressorts haben nicht mitgemacht“, bedauert Heppener.

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