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Hauptproblem Brandschutzanlage : Noch immer in der Planungsphase

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Planer von Siemens stehen Abgeordneten Rede und Antwort. Flughafen wohl auch in 60 Jahren noch Zuschussbedarf.

Theoretisch müsste am Berliner Großflughafen BER in diesen Tagen Hochbetrieb herrschen. Flüge nach Antalya, Mallorca und Gran Canaria müssten an den Anzeigetafeln stehen, sonnenhungrige Touristen das Terminal bevölkern. Schließlich wären die zahlreichen Brückentage im Mai eine gute Gelegenheit gewesen, um vom BER aus in den Urlaub abzuheben.

Doch der eigentlich schon vor zwei Jahren eröffnete Flughafen ist noch immer in Bau. Von einem Finanzkonzept oder gar einem Eröffnungstermin ist nichts zu sehen. Gestern wurde deutlich: Weite Teile der Brandschutzanlage befinden sich noch immer in der Planungsphase. In der Sitzung des Sonderausschuss BER im Potsdamer Landtag standen erstmals die mit der Brandschutzanlage beauftragten Planer von Siemens den Abgeordneten Rede und Antwort - doch wann das wichtigste Problem des Großflughafens nun endlich gelöst ist, wollten oder konnten sie nicht sagen.

„Zu Terminfristen sind andere Herren legitmiert, sich zu äußern“, sagte auch der Leiter Technik der Flughafengesellschaft FBB, der BTU-Honorarprofessor Jürgen Großmann. Und auf Nachfrage des Landtagsabgeordneten Christoph Schulze (Bündnis 90/Die Grünen), ob es denn überhaupt Fristen für die Fertigstellung der Brandschutzanlage gebe, antwortete Großmann erneut ausweichend: „Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich mich dazu nicht äußern werde.“ Eine Abfuhr handelte sich auch der Landtagsabgeordneten Gregor Beyer (FDP) ein: Seine Frage lautete schlicht, ob Großmann denn garantieren könne, dass die Brandschutzanlage am Ende funktionsfähig sein werde. „Planungsziel ist die Herstellung und Genehmigungsfähigkeit der Entrauchungsanlage – und da sind wir auf einem guten Weg“, sagte Großmann. Als Mitarbeiter der FBB könne er nicht für eine Planung garantieren, aber sein Ziel sei es, eine genehmigungsfähige Planung vorzulegen.

Beim Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Ingo Senftleben, sorgten diese Antworten trotzdem für Empörung. „Das ist doch alles vage“, sagte Senftleben, an die Adresse der Experten gerichtet. „Sie können keinen Termin nennen, Sie erklären, dass Sie Unwägbarkeiten haben.“ Am Ende bliebe nur als Ergebnis übrig, dass die drei Gesellschafter des Flughafens und damit der Steuerzahler Tag für Tag mehr Geld in die Hand nehmen müssten.

Zuvor hatte Großmann den Abgeordneten die besondere Problematik der Brandschutzanlage am Flughafen erläutert: Das geplante Terminal verfüge über lange Fluchtwege und große Hallen. Dadurch müsse länger als bei anderen Bauten für eine rauchfreie Schicht gesorgt werden, durch die Passagiere und Mitarbeiter im Brandfall ins Freie entkommen könnten. „Bei den Rauchversuchen 2012 und 2013 haben verschiedene Bereiche der Entrauchung nicht funktioniert“, sagte Großmann. „Es hat sich gezeigt, dass die Brandschutzanlage das zentrale, zeitkritische Problem für die Fertigstellung des Flughafens ist.“ So sei die Rauchabsaugung von Siemens, die Zuluftzufuhr aber von der Firma Bosch geplant worden. „Es ist Wahnsinn, das über zwei verschiedene Steuerungssysteme zu machen“, sagte Großmann. Künftig sollen die Steuerungssysteme zusammengeführt, und Teile der Entrauchungsanlage technisch abgetrennt werden.

Wortkarger zeigten sich die Vertreter der Firma Siemens. Mehrfach verwiesen sie auf fehlende oder noch nicht vorhandene Unterlagen. „Wir brauchen die Unterlagen zur Mechanik der neuen Anlage, dann können wir festlegen, wann was gesteuert wird“, sagte Marks. Erst dann könnten rund 90 Kilometer Kabel im Gebäude verlegt werden, und erst danach könne es übergreifende Prüfungen geben. Eine Garantie für die Entrauchungsanlage als Ganzes übernehme auch die Firma Siemens nicht. „Wir müssen die Steuerung realisieren“, sagte Marks. Was bei den Abgeordneten zu durchaus differenzierten Reaktionen führte: Während der Linken-Politiker Axel Hentschke erklärte, mit einem „Gefühl der Erleichterung“ den Ausschuss zu verlassen, weil bei ihm der Eindruck entstanden sei, dass es am Flughafen vorangehe, zeigte sich Senftleben „erschüttert“: „Nach zwei Jahren Verschiebung wollen Sie mal schauen, wie die Brandschutzanlage mechanisch umsetzbar ist.“

Am Vormittag hatten zudem neue Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit des Flughafens für Aufsehen gesorgt. In einer vor der Brandenburger Landespressekonferenz vorgelegten Studie hatte der aus dem Umfeld der Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm stammende Diplom-Geologe Wilfried von Aswegen ein Gutachten vorgelegt, dass dem Flughafen für die nächsten 30 bis 60 Jahre einen fortgesetzten Zuschussbedarf attestierte. In den ersten zehn Betriebsjahren sei damit zu rechnen, dass Steuergelder von bis zu 7,4 Milliarden Euro benötigt würden.

Allein Brandenburg müsste 18 bis 30 Prozent seiner Einkommenssteuer ins Terminal leiten. Allerdings zog Aswegen, der sich bislang als Projektentwickler mit Wasserprojekten im Nahen Osten beschäftigt hatte, eine eher abenteuerliche Konsequenz aus seinen Erkenntnissen: Die Bauarbeiten am Terminal sollten eingestellt werden, das Gelände zu einem Gewerbepark werden, und an einer anderen Stelle sollte stattdessen ein aus der freien Wirtschaft finanzierte Flughafen neu errichtet werden. Womit er freilich nicht alleine ist: Schon vor einer Woche hatte die ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende im Potsdamer Landtag, Saskia Ludwig, ähnliche Forderungen erhoben.

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