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Chaosflughafen : Niemals in den schwarzen Zahlen?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Flughafen BER wird nie in die schwarzen Zahlen kommen. Ein Gutachten im Auftrag der Grünen berechnete, dass er im günstigen Fall jedoch nach der Fertigstellung ohne weitere öffentliche Zuschüsse auskommen könnte – vorausgesetzt: Die Kosten steigen nicht weiter an.

Die Bundestagsfraktion der Grünen hat gemeinsam mit den Fraktionen im brandenburgischen Landtag und im Berliner Abgeordnetenhaus ein Gutachten zur wirtschaftlichen Zukunft des künftigen Hauptstadtflughafens in Auftrag gegeben. Autor Friedrich Thießen von der Technischen Universität Chemnitz schränkte gestern bei der Präsentation der Untersuchung ein, dass nur wenig Zahlenwerk zum BER vorliegt: Keine Bilanz 2013, kein Wirtschaftsplan für 2014, und die Entwicklungsszenarien der Flughafengesellschaft gelten selbst für Bundestagsabgeordnete als Betriebsgeheimnis.

Gleichwohl ließ sich errechnen, dass der Flughafen bei einer Investitionssumme von 3,15 Milliarden Euro und bei Einnahmen wie sie Vergleichsflughäfen durch die Läden im Terminal und die Fluggastgebühren erzielen, einen Gewinn von knapp 100 Millionen Euro vor Steuern erwirtschaftet hätte. Die Berechnung basiert auf einem jährlichen Fluggastaufkommen von 28,2 Millionen Passagieren. Die veranschlagte Investitionssumme beträgt jedoch bereits jetzt rund 4,8 Milliarden Euro. In diesem Fall rutsche der Flughafen laut Gutachten leicht in die roten Zahlen und könnte die gewährten Kredite der Gesellschafter nicht zurückzahlen. Allerdings, so Thießen, wäre das Unternehmen so liquide, dass es die nötigen Eweiterungsinvestitionen stemmen könnte.

Der Wissenschaftler schätzt ein, dass in diesem Fall nach der Eröffnung eine gewisse Beruhigung eintreten würde, da der Flughafen zunächst keine weiteren öffentlichen Zuschüsse benötigen würde. Allerdings müssten irgendwann die Investitionskosten ganz abgeschrieben werden und nach 20, 30 Jahren neue Gelder für Sanierungen oder Neubauten fließen.

Allerdings sind auch die 4,8 Milliarden Euro nicht mehr der aktuelle Stand. Nach der letzten Aufsichtsratssitzung verlautbarte, dass Geschäftsführer Hartmut Mehdorn weitere 1,1 Milliarden Euro für die Vollendung des Flughafens als notwendig ansieht. Noch ist nicht entschieden, ob und wann sie fließen werden. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel fasste das Gutachten so zusammen: Sobald die Baukosten die 3,15 Milliarden Euro überschreiten, ist das Geld der Steuerzahler weg und kann nicht mehr erwirtschaftet werden. Daran ändere weder eine Erweiterung der Kapazitäten noch eine längere Nutzung in den Nachtstunden etwas.

Ramona Pop, Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus, verwies darauf, dass die erwarteten Einnahmen des Flughafens in den nächsten Jahren nur schwer zu erreichen sein werden. Sie basieren darauf, dass große Umsätze in den Geschäften des Terminals erzielt werden. Die Klientel der Berliner Flughäfen werde jedoch weiterhin mindestens zur Hälfte aus Nutzern von Billigfliegern bestehen, die kaum teure Uhren oder Parfums in Dutyfree-Shops erwerben.

Der Professor verwies zudem auf OECD-Studien, wonach ein neuer Flughafen kaum zusätzliche Jobs schaffe. Stattdessen komme es am Standort nur zu regionalen Umsiedlungen von Firmen und Arbeitsplätzen. Eine tröstliche Botschaft hatte Thießen im Gepäck. Das Terminalgebäude selbst bezeichnete der Volkswirt als „Genuss“. Er kenne weltweit keinen Flughafen, der so schön sei wie der Neubau in Schönefeld.

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