Krise : Neuer Zug mit 230 Flüchtlingen

Mehrere hundert Flüchtlinge, darunter viele aus Afghanistan, kamen gestern auf dem Bahnhof Schönefeld an und werden nun auf die Landkreise verteilt.
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Mehrere hundert Flüchtlinge, darunter viele aus Afghanistan, kamen gestern auf dem Bahnhof Schönefeld an und werden nun auf die Landkreise verteilt.

Kapazitäten für die Unterbringung werden immer knapper / Zwei Autos von Flüchtlingsinitiative in Neuhardenberg angezündet

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20. September 2015, 15:07 Uhr

In Brandenburg sind am Sonntag erneut mehrere hundert Flüchtlinge eingetroffen. Damit seien die Kapazitäten der Erstaufnahme im Land fast vollständig belegt, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker, auf dpa-Anfrage.

Am Morgen kam ein weiterer Sonderzug aus Bayern mit Asylsuchenden am Bahnhof Berlin-Schönefeld Flughafen an. „Davon haben wir mehr aufgenommen als ursprünglich beabsichtigt“, führt Decker an. Die Zahlen seien aber nicht mehr präzise planbar. An Bord des neuen Zuges waren nach Angaben des Innenministeriums knapp 400 Menschen. Rund 230 Flüchtlinge kommen in der Brandenburger Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) unter - in der Landesfeuerwehrschule und in Zelten. Die übrigen werden in Berlin beherbergt.

In der Zentralen Aufnahmestelle, die mehrere Außenstellen hat, sind etwa 4000 Plätze belegbar. Nach Angaben des Innenministeriums sind davon etwa 60 Prozent Notplätze wie Feldbetten in Zelten. Die Kapazitätsgrenze sei fast erreicht, bekräftigte Decker. „Die Lage bleibt schwierig, aber noch kriegen wir es von Tag zu Tag hin“, betonte er.

In Brandenburg werden in diesem Jahr rund 25 000 Flüchtlinge und Asylbewerber erwartet. Möglicherweise könnten es sogar 30 000 werden. Im Vorjahr waren es etwa 5300.

Die Flüchtlingskrise wird in der neuen Woche auch Schwerpunkt im Landtag sein. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält am Mittwoch eine Regierungserklärung, die sich mit den Herausforderungen für das Land beschäftigt.

Die Flüchtlinge, die in Berlin unterkommen, wurden mit Bussen in die Notunterkunft im Olympiapark gebracht. Viele der Neuankömmlinge seien aus Afghanistan, berichtete eine Sprecherin der Berliner Sozialverwaltung. Der Zug war etwas leerer als erwartet. Die Senatsverwaltung hatte mit 450 bis 500 Flüchtlingen gerechnet.


Staatsschutz ermittelt


Derweil gibt es immer wieder auch Anschläge auf Unterstützer von Flüchtlingsinitiativen. In Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) sind zwei Autos einer Initiative, die sich für Flüchtlinge engagiert, angezündet worden und ausgebrannt. Ein daneben stehender Multivan wurde am Samstagmorgen ebenfalls beschädigt, verletzt wurde niemand. Der Sachschaden beträgt nach Polizeiangaben mehr als 30 000 Euro.

Das Brandenburger Innenministerium bestätigte, dass es sich um Brandstiftung handele. Die Polizei ermittele in alle Richtungen, aber ein politischer Hintergrund liege nahe, sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker am Sonntag. An Haustüren und Laternen in der Umgebung waren Aufkleber und Wurfzettel mit der Aufschrift „Flüchtlinge nicht willkommen“ entdeckt worden.

Der Staatsschutz sei einbezogen. Die Polizei habe eine Sonderkommission gebildet, so Decker. „Wir nehmen das sehr ernst“, betonte er. Wenn sich ein rechter Hintergrund bestätige, wäre das Ziel gewesen, Angst zu verbreiten und ein Klima der Verunsicherung zu schaffen. „Ich hoffe sehr, dass sich die engagierten Brandenburger dadurch nicht einschüchtern lassen“, so Decker.

Eines der beiden Autos und der Multivan sollen nach rbb-Informationen dem Chef der Initiative gehören. Zusammen mit seiner Frau lebt er gegenüber eines Plattenbaus, in dem 260 Flüchtlinge untergebracht sind. Beide hätten in der Nacht Stimmen vor ihrem Haus gehört, aber niemanden gesehen, heißt es in dem Bericht. Die Familie wolle sich aber nicht einschüchtern lassen.

In Neuhardenberg gebe es eine aktive rechte Szene.

Landrat Gernot Schmidt verurteilte den mutmaßlichen Übergriff. „Es sind Bürger betroffen, die sich sehr stark für Flüchtlinge engagieren. Ich hoffe, dass die Täter möglichst schnell ermittelt werden“, sagte er dem rbb.

Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock (Grüne) erklärte: „Wichtig ist nun, gemeinsam ein Zeichen zu setzen, dass Menschen, die sich für geflüchtete Menschen engagieren, nicht alleine stehen, sondern die volle Unterstützung der Brandenburger haben.“

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