Mobbing : Mobbing: Bei uns nicht, sagt die Polizei

Landesregierung spricht lediglich von Einzelfällen

svz.de von
19. November 2014, 18:02 Uhr

Nach Einschätzung der Landesregierung hat Brandenburgs Polizei kein Problem mit Mobbing in den eigenen Reihen. Seit 2010 sind laut der Antwort auf eine Kleine Anfrage lediglich drei solcher Fälle aktenkundig geworden.

Aufgetreten sind sie allesamt im Polizeipräsidium. Als Reaktion wurde einmal der Täter versetzt, ein anderes Mal auf eigenen Wunsch das Opfer, und im dritten Fall habe sich das Verhältnis zwischen Täter und Opfer wieder gebessert, heißt es in der jetzt vorliegenden Antwort der Regierung.
Anlass für die Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Björn Lakenmacher waren im Zusammenhang mit dem „Maskenmann-Prozess“ bekannt gewordene mutmaßliche Schikanen gegen Mitarbeiter der Soko „Imker“. So sollen Kriminalisten der Direktion Ost von Vorgesetzten unter Druck gesetzt worden sein, in dem Entführungsfall in eine bestimmte Richtung zu ermitteln. Zudem steht der Vorwurf im Raum, dass Brandenburgs jetziger Innenstaatssekretär Arne Feuring noch vor Kurzem als Polizeipräsident versucht hat, kritische Beamte vor ihren Aussagen im Gerichtsprozess zu beeinflussen.
Die Antwort der Landesregierung offenbart, dass die Polizei eine recht enge Definition von Mobbing hat. So spreche man davon, wenn eine Person „systematisch und über einen längeren Zeitraum mit dem Ziel oder dem Effekt des Ausgrenzens direkt oder indirekt angegriffen wird“. Ergänzend heißt es: „Nicht jede subjektiv als Mobbing empfundene Handlung ist deshalb tatsächlich eine Mobbinghandlung.“

Wer im konkreten Fall darüber entscheidet, was Mobbing ist und was nicht, wird in der Antwort der Landesregierung nicht erklärt. Eingeräumt wird aber, dass die Polizei keine Statistik über von Beamten erhobene Mobbingvorwürfe führt.
Björn Lakenmacher hält der Landesregierung vor, sich in der Antwort mit „Aussagen auf Papierlage“ vor der Realität zu verstecken. Jeder wisse, dass Mobbing ein Thema sei. „Aber die Landesregierung will das nicht wahrhaben.“

Alarmierend sei der Krankenstand. Zehn Prozent der Polizisten sind laut Regierungsantwort krank. „Da ist auch Abstimmung mit den Füßen dabei“, glaubt Lakenmacher. „Viele Kollegen wählen so die innere Kündigung, um dem schlechten Arbeitsklima zu entgehen.“


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