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Neuer Landtag : Mit Turnschuhen, Jauch und Adlerschwingen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Polizeiorchester spielte, die Besuchertribüne war bis auf den letzten Platz gefüllt, und Landtagspräsident Gunther Fritsch überreichte dem Architekten Peter Kulka ein Paar Turnschuhe.

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erstellt am 21.Jan.2014 | 23:45 Uhr

Das Polizeiorchester spielte, die Besuchertribüne war bis auf den letzten Platz gefüllt, und Landtagspräsident Gunther Fritsch überreichte dem Architekten Peter Kulka ein Paar Turnschuhe. „Wenn man genau hinschaut, erkennt man die roten Adlerschwingen auf rotem Grund“, sagte Fritsch. Mit einem Festakt im Plenarsaal wurde gestern das neue Potsdamer Stadtschloss offiziell seiner Bestimmung übergeben. „Nach 22 Jahren Provisorium ist die Politik dichter an die Menschen herangerückt“, sagte Fritsch. Mitten in Potsdam sei ein „Landtagsschloss der Volksvertreter“ entstanden.

Doch der Festredner, Bundestagspräsident Norbert Lammert, schüttete den feiernden Brandenburgern eine kräftige Ladung Salz in die Suppe. „In Brandenburg zeigen Umfragen, dass drei Viertel der Menschen mit dem eigenem Land sehr verbunden sind“, sagte Lammert. Doch sie identifizierten sich mehrheitlich mit ihrer Stadt oder ihrer Gemeinde. „Das Verhältnis zu den Ländern ist sehr viel fragiler“, sagte Lammert. „Ein Viertel der Bundesbürger hält die Länder für überflüssig.“ Die Abgeordneten forderte Lammert auf, „lernfähig“ zu sein. „Sie sollten aber nicht wankelmütig sein“, so der Bundestagspräsident.

„Mit Abstand wichtiger als die Popularität von Politik ist ihre Glaubwürdigkeit.“ Dabei machten große Koalitionen das Finden von gemeinsamen Lösungen nicht einfacher, „eher schwieriger“, so Lammert. Eine große Koalition habe eine große Mehrheit für das Durchsetzen von Lösungen, „die sie deswegen aber meist nicht findet.“ Und sogar der Ehrengast Günter Jauch, der einst eine der Initiatoren des Wiederaufbaus des Schlosses war, bekam sein Fett weg: Die immer inflationärer um sich greifenden Fernsehtalkshows seien „weder unterhaltsam noch politisch bedeutsam“, sagte Lammert. Es werde zwar viel geredet, aber nichts entschieden. Entschieden werde immer noch im Parlament.

Die Brandenburger indes blieben trotz der kritischen Worte Lammerts gestern in Feierlaune. „Mehr als ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis aus einem Unort wieder ein Ort entstanden ist“, sagte der Architekt des Landtags Peter Kulka. „Das Haus ist wieder erkennbar und wird neue Identität stiften.“ Den Abgeordneten empfahl der Architekt „Teamgeist, Toleranz und Kreativität“ walten zu lassen. „Ob die Architektur am Ende dem Anspruch entspricht, Demokratie zu verkörpern, bleibt allerdings eine Frage.“

Beglückt zeigten sich auch die Vertreter der Landesregierung: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte, das Land besäße nun ein Landtagsgebäude, „das dem hohen Rang dieses Parlaments“ wirklich angemessen sei. Daneben kündigte der Ministerpräsident in seiner Festansprache an, dass das Land Brandenburg das 25. Jubiläum von Mauerfall und Wiedervereinigung unter dem Motto „25 – am Mute hängt der Erfolg“ begehen wolle. Finanzminister Helmuth Markov verglich den Wiederaufbau des Landtags sogar mit dem Pannenflughafen BER: „Wenn Brandenburg etwas in die Hand nimmt, dann funktioniert es auch.“


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