zur Navigation springen

Stellungnahme : Mehr geschlossene Heimplätze gefordert

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gutachten bescheinigt umstrittenen Haasenburg-Heimen „hohe Standards“.

In Deutschland gibt es zu wenig Plätze für eine geschlossene Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, sagt der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Rostock, Prof. Frank Häßler. Festgestellt hat er das in einer Stellungnahme zum Verfahren um die wegen des Verdachts der Kindeswohlgefährdung geschlossenen Haasenburg-Heime, die dem „Prignitzer“ vorliegt.

In dem im Auftrag des Heimbetreibers verfassten Dokument weist Häßler darauf hin, dass Gutachter in rund 750 Fällen jährlich eine geschlossene Unterbringung von Kindern und Jugendlichen empfehlen. Bundesweit gebe es aber nur rund 300 Plätze für betroffene Kinder und Jugendliche. „Weder an der Notwendigkeit noch an der Effizienz solcher Einrichtungen gibt es trotz kontroverser und ideologisch-polemisch geführter Diskussionen einen Zweifel.“

In Brandenburg gibt es nach Angaben des Potsdamer Bildungsministeriums derzeit einen Träger, der berechtigt sei, bis zu vier Kinder und Jugendliche unter Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen zu betreuen.

Im Rechtsstreit um die Haasenburg attestiert der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie den von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) geschlossenen Heimen „hohe Standards“. Das Gutachten wurde von den Betreibern der Haasenburg in einem Verfahren verwandt, in dem sie gegen den Schließungsbescheid klagen. Die Brandenburger Landespolitik unterstützt dagegen mittlerweile fraktionsübergreifend eine Schließung der Heime.

Münch hatte sich in der Vergangenheit für eine Beibehaltung geschlossener Heime als letztes Mittel ausgesprochen, will aber wegen einer „latenten Kindeswohlgefährdung“ an der Schließung der Haasenburg festhalten. „Über die Frage, welche Rolle die Option freiheitsentziehender Maßnahmen spielen soll und wie diese ausgestaltet sein sollten, sind sich die Experten uneins“, sagte Ministeriumssprecherin Antje Grabley gegenüber dem Prignitzer. „Es muss bundesweit diskutiert werden, wie mit Kindern und Jugendlichen umgegangen werden soll, die durch alle Raster fallen und sich nicht in gängige Normen einpassen.“ Dazu wolle das Ministerium noch vor den Sommerferien eine Fachtagung durchführen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen