Bildung : Mehr Freizeit für Lehrer

Unterricht wie geplant oder nur Vertretung? In Brandenburg fallen viele Unterrichtsstunden aus.
Unterricht wie geplant oder nur Vertretung? In Brandenburg fallen viele Unterrichtsstunden aus.

Lehrer müssen ab dem kommenden Schuljahr weniger arbeiten. Derweil gibt es weiter Streit um ausgefallenen Unterricht.

svz.de von
02. Juli 2014, 07:38 Uhr

Die Pflichtstundenzahl für Grundschul- und Oberschullehrer wird um jeweils eine Wochenstunden gesenkt. Das teilte der für das Beamtenrecht zuständige Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) mit. Damit setze das Land die Ergebnisse der Gespräche mit dem Gewerkschaften aus dem vergangenen Jahr um.

Indes diskutiert die Landespolitik weiter über den Unterrichtsausfall an den Schulen. Aktueller Anlass sind Äußerungen des Parlamentarischen Geschäftsführers der CDU, Ingo Senftleben, in der letzten Plenardebatte des Landtags. Senftleben hatte der rot-roten Koalition vorgehalten, dass in Brandenburg mehr als eine Million Unterrichtsstunden nicht nach Plan erteilt werden könnten.

Dem widersprach gestern der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Mike Bischoff. Ihm zufolge seien im letzten Schulhalbjahr zwar 585 000 von rund 6,6 Millionen Unterrichtsstunden in Brandenburg zur Vertretung angefallen. Tatsächlich ausgefallen seien aber nur 124 000 Stunden. „Es ist ein dreister Vorwurf, zu sagen, dass mehr als eine Million Stunden ausgefallen seien“, empörte sich Bischoff.

Zwischen Regierung und Opposition umstritten bleibt vor allem die Auslegung der Statistik über den Unterrichtsausfall. Wenn eine Mathematik-Stunde durch Sportunterricht ersetzt wird, zählen CDU und FDP die nicht erteilte Mathestunde als ausgefallen. Das Regierungslager dagegen geht von einer vertretenen Stunde aus.

„Wir haben eine Million Unterrichtsstunden, die nicht nach Lehrplan erteilt werden“, sagte Senftleben. „Diese Stunden fehlen den Schülern.“

Unterstützung erhielt die Opposition von der Lehrergewerkschaft GEW. „Es ist immer eine Frage der Statistik“, sagte deren Landesvorsitzender Günther Fuchs. Die Zählweise des Regierungslagers sei „Unfug“. In Brandenburg werde den Schülern reihenweise Teilungs- oder Förderunterricht weggenommen, weil die Lehrkräfte anderswo gebraucht werden, um Stunden zu vertreten. „Was wir dringend brauchen, sind kleine Lerngruppen und individuelle Förderung – und keine Schönrechnerei.“

Die Reduzierung der wöchentlichen Stundenzahl für Lehrerinnen und Lehrer sei im Übrigen dringend notwendig gewesen. „Dass so viel Vertretungsbedarf anfiel, zeigt nur, an welcher Belastungsgrenze die Kollegen unterwegs waren.“

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