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15 Tonnen mehr als im vorjahr : Mehr Antibiotika für Prignitzer Tiere

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Bereich der Postleitzahlregion 16 stieg in der Veterinärmedizin der Antibiotikaverbrauch 2014 um fast 15 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr.

Im Norden Brandenburgs erhalten immer mehr Tiere Antibiotika. Im Bereich der Postleitzahlregion 16 (somit auch Teile der Prignitz d. Red.) stieg in der Veterinärmedizin der Antibiotikaverbrauch 2014 um fast 15 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Das gab das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bekannt. Zugleich sei der Norden Brandenburgs bundesweit die einzige Region mit einer derartigen Steigerung: Bundesweit wurden 2014 in der Tiermedizin insgesamt 214 Tonnen weniger Antibiotika abgegeben als im Jahr zuvor und mehr als 400 Tonnen weniger als 2011.

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, der Abgeordnete Benjamin Raschke, sprach von einer „alarmierenden Entwicklung“. „Die Ergebnisse zeigen, dass Agrarminister Vogelsänger mit seiner massentierhaltungsfreundlichen Agrarpolitik einen gefährlichen Weg beschreitet“, sagte Raschke. ,,Wir brauchen in Brandenburg eine Kehrtwende und müssen wegkommen von immer mehr Megaställen, in denen flächendeckend und prophylaktisch Antibiotika verabreicht werden.“ Nötig sei eine „Einzeltierbehandlung im Krankheitsfall“, wie sie in der ökologischen Tierhaltung bereits praktiziert werde. Wäre das Standard im Land,würden die verabreichten Antibiotikamengen massiv zurückgehen. Wie Raschke betonte, fördere der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung die Herausbildung von resistenten Bakterienstämmen. Diese stellten in der Humanmedizin mittlerweile ein massives Problem dar. In Deutschland würden jährlich etwa 30  000 Menschen an multiresistenten Keimen sterben.

Die Sprecherin des für die Veterinärmedizin zuständigen Potsdamer Ministeriums für Justiz, Europa und Verbraucherschutz, Maria Strauß, verwies dagegen darauf, dass die Zahlen zunächst noch mit Vorsicht zu genießen seien, da sich die Erfassung in den letzten Jahren verändert habe. „Die Anwendung von Antibiotika ist notwendig und ethisch geboten, wenn eine Infektionskrankheit zweifelsfrei diagnostiziert und die Wirksamkeit des Wirkstoffs gegen den Erreger nachgewiesen ist“, so Strauß. „Der missbräuchliche und sorglose Gebrauch von Antibiotika ist jedoch zu stoppen.“ Wenn ganze Bestände unnötig häufig und unsachgemäß behandelt werden, statt die Ursachen von Infektionskrankheiten zu beheben, erhöhe dies das Risiko der Resistenzbildung und damit der Unwirksamkeit der Antibiotika.

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