zur Navigation springen

Denkmalpflege : Marode Kirchtürme und Wände

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburg gab 2015 mehr als 33 Millionen Euro für die Denkmalpflege aus

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2015 | 21:52 Uhr

Das Land Brandenburg hat 2015 insgesamt rund 33,3 Millionen Euro für die Sicherung, Sanierung und Restaurierung von Denkmalen aufgewandt. Diese Bilanz zogen Kultusministerin Sabine Kunst und Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (beide SPD) gestern in Potsdam. Größter Einzelempfänger von Fördergeldern war die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die rund 7,7 Millionen Euro für den Erhalt ihrer 300 historischen Bauten und 800 Hektar Gartenanlagen erhielt. Damit wurde etwa die Wiedereröffnung des Grottensaals im Potsdamer Neuen Palais ermöglicht, der aus Sicht von Kunst einer der kunstgeschichtlich wertvollsten Säle der preußischen Schlösser ist.

„Brandenburg ist wirklich reich und gut ausgestattet mit einmaligen Zeugnissen aus der Vergangenheit“, sagte Kunst. Insgesamt hat das Land rund 13 000 Baudenkmale, die auch aus diversen Fördertöpfen der Europäischen Union unterstützt werden. „Denkmale sind aufgrund ihrer Authentizität und Anschaulichkeit besonders geeignet, um Kinder und Jugendliche mit Geschichte und Kultur in Berührung zu bringen und tragen maßgeblich zur Identitätsstiftung bei“, sagte Kunst. „Auch die positive Entwicklung der Tourismuswirtschaft in den vergangenen Jahren verdanken wir in hohem Maße den Denkmalen, die eine große Zahl von Touristen ins Land locken.“

Landeskonservator Thomas Drachenberg würdigte besonders die so genannte Denkmalhilfe, die nach einem Landtagsbeschluss 2015 im Haushalt verankert werden konnte. Nachdem vor allem die Opposition im Landtag jahrelang vergebens versuchte, eine Denkmalstiftung zu etablieren, steht dieser Betrag nun für Maßnahmen der Notsicherung an Brandenburger Denkmalen zur Verfügung. Unterstützt wurde etwa der Stahnsdorfer Südwestkirchhof, der in den letzten Jahren vor allem mit Kupferdieben zu kämpfen hatte. Zu den dort umgesetzten Sicherungsmaßnahmen zählen nach Angaben von Kirchhofsverwalter Olaf Ihlefeldt deswegen auch der Bau von Zäunen und die Anschaffung von Alarmanlagen.

Aus Mitteln dieses 250 000 Euro umfassenden Etats wurden zudem die Sanierung des Kirchturms von Halbe und des Forsthauses „Alte Försterei Börnichen“ (beide Landkreis Dahme-Spreewald), von Teilen der Alten Ölmühle in Wittenberge und des Gutshauses von Nettelbeck (beide Landkreis Prignitz) und des Kirchturms von Trampe (Uckermark) finanziert. Mit den Geldern kann auch den Einsatz von Initiativen, Kirchengemeinden, Fördervereinen und Freiwilligen vor Ort wirksamer als bisher unterstützt werden.

„Die Mittel konnten punktuell und zielgerichtet dort eingesetzt werden, wo der Bedarf da war“, so Drachenberg. Zum Erhalt von Denkmalen bedürfe es jedoch Kontinuität und langfristiger Strategien. Er hoffe daher, dass die Mittel der Denkmalhilfe auch künftig zur Verfügung stehen.

Aus dem Bereich des städtebaulichen Denkmalschutzes wurden für den Zeitraum von 2016 bis 2019 insgesamt 51 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel bewilligt, sagte Schneider. „Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, den Verfall der Innenstädte zu stoppen.“ Die SPD-Politikerin erinnerte daran, dass es etwa für das holländische Viertel in Potsdam bereits Abrisspläne gab. „Die Stadtkerne sind früher oft als Last angesehen worden“, sagte sie. Heute hätten diese mehr und mehr Charme und würden zu attraktiven Wohn-, Lebens- und Arbeitsräumen. „Die Menschen ziehen wieder in die Innenstädte“, betonte Schneider. „In den Stadtkernen haben wir nur noch wenig Wohnungsleerstand.“

Vom städtebaulichen Denkmalschutz profitiert auch die Stadt Lenzen. Dort wurde im August 2015 das Einzeldenkmal in der Hamburger Straße 48/49 im Sanierungsgebiet „Alter Stadtkern“ eröffnet. Die Sanierung des stadtbildprägenden Gebäudes wurde mit rund einer Million Euro von Bund und Land unterstützt. Aus dem Programm der Integrierten ländlichen Entwicklung wurden 226 000 Euro bereitgestellt. Die Stadt hat sich mit 300 000 Euro beteiligt.

Die Sanierung dieses lange Zeit leerstehenden Gebäudes bedeutet eine weitere Aufwertung des historischen Stadtkerns. Die Stadt Lenzen und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nutzen das Gebäude unter anderem als Begegnungsstätte für Ausstellungen und die Unterbringung von Praktikantinnen und Praktikanten. Dort fand auch die lange nicht mehr ausgestellte historische Sammlung der Stadt ein neues Domizil.

Der öffentliche Straßenraum konnte im Sanierungsgebiet „Alter Stadtkern“ komplett instandgesetzt werden und auch die Denkmale sind bereits zur Hälfte saniert. Bund und Land haben für die Stadtentwicklung insgesamt rund 16,1 Millionen Euro bereitgestellt.

Das Infrastrukturministerium bewilligte in diesem Jahr insgesamt knapp 21 Millionen Euro für den städtebaulichen Denkmalschutz. Damit konnten 34 Maßnahmen in 30 Kommunen gefördert werden, darunter in vielen kleineren Städten wie Rheinsberg, Templin oder Werder/Havel.

Mit rund 2,88 Millionen Euro wurden Kirchen und Religionsgemeinschaften bei der Sanierung sakraler Gebäude gefördert.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen