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Stundenausfall an Schulen : Lücken über Lücken

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fast jede elfte Stunde musste vertreten werden / Lehrer fordern neue Konzepte

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2015 | 15:55 Uhr

Es gibt originelle Ansätze an Schulen, um eine Zeugnisnote erteilen zu können. So berichtet der Landeselternrat von einem Beispiel, bei dem der dauerhafte Ausfall des Musikunterrichts vom Sportlehrer wettgemacht werden sollte. Er unterrichtete nun rhythmische Sportgymnastik, womit auch die Voraussetzungen für eine Musiknote gegeben waren.

Aus Sicht der Lehrer sind auch kreative Lösungen vonnöten, damit Unterricht nicht komplett gestrichen wird. „Der Altersdurchschnitt unserer Kollegen ist hoch, da kann keiner beispielsweise vier Stunden Mathe zusätzlich übernehmen“, sagt Kathrin Wiencek, Vorsitzende des Landesphilologenverbandes.

Zwar hat das Land eine Vertretungsreserve von drei Prozent der Stunden geschaffen, von der Schulen zwei Prozent erhalten, allerdings könne mit diesem Instrument kaum auf Krankheitsfälle reagiert werden, erklärt Wiencek. Die Reserve sei nicht kurzfristig abrufbar. Auch das seit 2014 bestehende Vertretungsbudget, durch das Schulen im Land rund fünf Millionen Euro für pädagogische Aushilfen erhalten, hat sich aus ihrer Sicht nicht überall in Brandenburg bewährt, da schlichtweg Aushilfen fehlen. „Wir brauchen dringend ein Konzept, mit dem schnellere und befristete Einstellungen möglich sind.“

Ebenso beklagt Günther Fuchs, Landeschef der Bildungsgewerkschaft GEW, dass es in Brandenburg keine tragfähige Stellenreserve gebe. Im Durchschnitt seien 500 Lehrer krankgeschrieben, vor allem in Naturwissenschaften, in Fremdsprachen sowie bei musischen Fächern bestehe ein Dauermangel. „Selbst an Grundschulen haben wir Lücken“, betont er. Das Land stehe angesichts der bevorstehenden Pensionierungswellen ohnehin vor einem „gigantischem Umbau“ beim Lehrerpersonal. Den Gewerkschafter ärgert dabei, dass Brandenburg „sehenden Auges in diese dramatische Lage geschlittert“ sei.

Nach Angaben des Bildungsministeriums hat der Vertretungsbedarf in den vergangenen zehn Jahren zwischen sieben und neun Prozent der Unterrichtsstunden betragen. Ersatzlos wurden 1,7 Prozent der Stunden im ersten Halbjahr 2014/2015 gestrichen – betroffen sind hierbei insbesondere weiterführende Schulen.

Allerdings sei das Problem, dass in manchen Schulen die Zeugnisse lückenhaft waren, da Noten nicht vergeben werden konnten, weitgehend behoben, erklärt Florian Engels, Sprecher des Bildungsministeriums. Im ersten Halbjahr waren davon rund 1500 Schüler betroffen. „Wir sind guten Mutes, dass sämtliche Zeugnisse vollständig ist.“ Den Personalmangel in ländlichen Schulen will das Ministerium auch mit neuen Prämien abfedern. „Oft sind derzeit aber nicht die Lehrer verfügbar, die man braucht“, so Engels.

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