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Fonds Für Frühere Heimkinder : Letzte Chance für Diktatur-Opfer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Knapp 2000 Brandenburger profitierten bereits von der Hilfe für ehemalige DDR-Heimkinder. Anträge sind nur noch wenige Monate möglich.

Als Jugendliche stand sie am Rande der Gesellschaft: Durch den zweiten Weltkrieg und die Flucht aus den deutschen Ostgebieten verlor die Frau, die im Bericht der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, nur Frau S. genannt wird, ihre Eltern. Wechselnde Heimunterbringungen sorgten dafür, dass sie von ihren Geschwistern getrennt wurde. Fehlende medizinische Behandlung führte zur Schwerhörigkeit. „Sie hat in den Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe keinen Ort gefunden, der ihr Schutz und Geborgenheit gab“, heißt es in dem Bericht, den Poppe gestern an Landtagspräsident Gunther Fritsch (SPD) übergab. „Die Jugendhilfe setzte sich weder für den gemeinsamen Verbleib der verwaisten Geschwister noch für die Beantragung eines finanziellen Unterhalts ein.“

Frau S. ist eines von insgesamt 1943 ehemaligen DDR-Heimkindern, die sich seit 2012 an die Dienststelle von Ulrike Poppe wandten.

Seit 2012 Bund und Länder den zunächst mit 40 Millionen Euro ausgestatteten Fonds „Heimerziehung in der DDR“ gründeten, ist im Haus der Aufarbeitungsbeauftragten die Brandenburger „Anlauf- und Beratungsstelle Heimerziehung in der DDR von 1949 bis 1990“ eingerichtet. Hier werden Betroffene beraten. Frau S. zum Beispiel erhielt ein Hörgerät – und weil sie in eine altersgerechte Seniorenwohnung umziehen wollte, dies aber selbst nicht leisten konnte, half der Fonds beim Kauf eines Genossenschaftsanteils und einer neuen Küche.

Ziel des Fonds ist: Wer zu DDR -Zeiten in einem Heim Unrecht erlitt, soll wenigstens einige der daraus resultierenden Nachteile heute nicht mehr spüren. Bis Ende 2013 konnte die Beratungsstelle Hilfsvereinbarungen im Wert von 2,5 Millionen Euro abschließen. Rund 857 000 Euro wurden bereits ausgezahlt. Daneben wurden Rentenersatzleistungen in Höhe von 1,16 Millionen Euro zugesprochen, von denen rund 900 000 Euro bereits ausgezahlt wurden. Denn obwohl die Heimkinder damals arbeiteten, wurden für sie oft keine Rentenbeiträge gezahlt.

Die Nachfrage nach Leistungen aus dem Fonds ist groß. Schon im letzten Quartal des vergangenen Jahres gab es deswegen einen Zahlungsstopp. Bis zum September soll der Fonds nach dem Willen von Bund und Ländern auf rund 200 Millionen Euro erhöht werden. Was nicht heißt, dass sich Betroffene bis zum September zurückhalten sollten: Am 30. September wird unwiderruflich der Antragsschluss für Leistungen aus dem Fonds sein. Wer sich nicht bis dahin wenigstens einmal bei der Beratungsstelle gemeldet hat, wird danach keine Chance mehr auf Zuschüsse haben, sagte Ulrike Poppe.

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