Bildung : Lehrer zweiter Klasse

Nur wer bestimmte Fächer studiert hat,  wird als Lehrer in Brandenburg wirklich gesucht.
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Nur wer bestimmte Fächer studiert hat, wird als Lehrer in Brandenburg wirklich gesucht.

Lehrer dringend gesucht – so heißt es seit Monaten in Brandenburg. Doch in der Praxis ist das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wesentlich komplizierter. Nachwuchspädagogen mit der „falschen“ Fächerkombination droht Arbeitslosigkeit.

svz.de von
25. März 2014, 15:01 Uhr

Sie ist 27, kommt aus Märkisch-Oderland, hat ihr Studium mit guten Noten abgeschlossen, und trotzdem gibt es für Manja Große (Namen der Lehrer geändert) bislang kein Jobangebot an einer Brandenburger Schule. Keinerlei Feedback habe sie auf ihre Ende Januar beim Schulamt eingereichte Bewerbung erhalten, ärgert sich die junge Frau. „Wieso startet das Land bundesweit eine Anzeigenkampagne, wenn nicht einmal die Bewerbungen von Landeskindern zügig bearbeitet werden?“

Sie ist nicht allein mit dieser Frage. Karl Blume, 30, hat an der Uni Potsdam auf Lehramt studiert und wartet seit Monaten vergeblich auf einen Platz für ein Referendariat, um seine Ausbildung abzuschließen. „Ich bin enttäuscht“, sagt er. Um die Wartezeit zu überbrücken, jobbt er. Ein Engagement als Aushilfslehrer sei finanziell nicht attraktiv, erzählt der Familienvater. Ehemaligen Kommilitonen gehe es ähnlich.

Während also an manchen Schulen die Eltern einspringen, um Unterrichtsausfall zu verhindern und das Land per Anzeigenkampagne bundesweit 1000 neue Lehrer sucht, stehen gleichzeitig viele hoch motivierte und gut ausgebildete junge Leute vor einer ungewissen Zukunft. Die Gründe sind quasi im Kleingedruckten auszumachen. Gesucht werden nämlich fast ausschließlich Lehrer für Grund- und Oberschulen, nicht aber für Gymnasien. Und erhöhter Bedarf besteht auch lediglich in sogenannten Mangelfächern – Deutsch, Mathe, Kunst, Musik, Sport und Englisch. Karl Blume aber hat Geografie und Geschichte für den Gymnasialbereich studiert. „Hätte mir jemand zu Beginn des Studiums gesagt, dass ich mit dieser Fächerkombination wenig Chancen auf einen Job habe, hätte ich mir was anderes überlegt“, sagt er. Jetzt noch ein anderes Fach draufzulegen, sei praktisch unmöglich. Er müsste dann quasi noch einmal von vorn studieren.

Und so hofft Karl Blume einstweilen weiter, dass es doch noch was wird mit dem Referendariat. Aber ihn ärgert dabei, dass völlig unklar ist, wie seine Chancen sind. Undurchsichtig sei das System, findet er.

Manja Große aus Märkisch-Oderland, die neben Geschichte mit Englisch immerhin ein Mangelfach im Portfolio hat, sieht das ähnlich. Wo es in Brandenburg welche offenen Lehrerstellen gibt, sei für Interessenten nicht zu durchschauen. „Ich will in Brandenburg bei meiner Familie bleiben, mit der Lebensplanung vorankommen“, sagt sie. Aber weil sich die hiesigen Behörden bislang nicht rühren, hat sie noch in dieser Woche ein Bewerbungsgespräch für eine Stelle in Mecklenburg-Vorpommern.

„Vollzeit, unbefristet, Verbeamtung – ein Traum“, fasst sie das dortige Angebot zusammen. Auch gebe es für das Nachbarland gut strukturierte Infos im Netz – mit Stecknadeln sind die freien Stellen auf einer Karte markiert, während ihr das Schulamt Brandenburg/Havel noch vor einer Woche auf Nachfrage beschied, man sei derzeit in der „Phase der Bedarfsermittlung“ für das kommende Schuljahr.

Stephan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums in Potsdam, bedauert nach eigener Aussage, dass Manja Große bislang keine Rückmeldung auf ihre Bewerbung erhalten hat. Dies werde nun umgehend nachgeholt, verspricht er.

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