Brandenburg : Landwirte wettern über Biobauern

Der Streit über die künftige Ausrichtung der Landwirtschaft in Brandenburg verschärft sich. In einem Rundumschlag ging der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Uckermark jüngst mit Kritikern der konventionellen Wirtschaft ins Gericht.

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14. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Der Streit über die künftige Ausrichtung der Landwirtschaft in Brandenburg verschärft sich. In einem Rundumschlag ging der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Uckermark jüngst mit Kritikern der konventionellen Wirtschaft ins Gericht. Nun wehren sich die Angegriffenen.

Es war eine Grundsatzrede auf dem Bauerntag, in der Manfred Mesecke gegen BUND, Nabu, Bündnisgrüne sowie „Gutmenschen“ und Großstädter wetterte. Sie würden sich in Dinge einmischen, von denen sie nichts verstehen, schlecht über die Bauern reden, einem ganzen Wirtschaftszweig ein mieses Image verpassen und „Öko-Schnickschnack“ propagieren. In der Öffentlichkeit würden vor allem Naturschutzorganisationen über das Bild der Landwirtschaft bestimmen, die einen verantwortungsvollen Umgang der Bauern mit der Natur generell in Frage stellen, klagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands mit Verweis auf Vorbehalte gegen Massentierhaltung und Pestizid-Einsatz. Es sei angesichts des Hungers auf der Welt unverantwortlich, hierzulande Disteln auf Feldern zu verlangen.
Rückendeckung für seine Attacken erhielt Mesecke von Agrarminister Jörg Vogelsänger und Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD), die in Grünow bei Prenzlau als Gastredner auftraten. „Ein Zerrbild schadet“, sagte Woidke an die Adresse der Kritiker einer konventionellen Landwirtschaft. Einige Leute sollten sich überlegen, welchen Unfug sie in der Öffentlichkeit erzählen, so der Regierungschef.


Das Echo fällt ähnlich heftig aus


Das Echo auf die Veranstaltung fällt ähnlich heftig aus wie Meseckes Schelte. Grünen-Chef Axel Vogel zeigt sich in einem Offenen Brief an den Verbandsvorsitzenden befremdet über dessen pauschale Urteile. „Sie beschwören Feindbilder, die nicht in unsere Zeit passen und benutzen Begriffe, die einen Großteil der engagierten Zivilgesellschaft verunglimpfen“, ärgert sich Vogel.

„Was als eine moderne und zugleich umweltverträgliche Landwirtschaft zu betrachten ist, liegt definitiv nicht in der Deutungshoheit des Bauernverbands.“ Auch sei es unlauter, Bürgern das Recht abzusprechen, sich zu Agrar-Themen zu äußern. Angesichts von jährlich 360 Millionen Euro an Steuergeldern für märkische Bauern, habe jedermann „sogar die Pflicht, sich in die Debatte darüber einzumischen, welche Form von Landwirtschaft wir fördern sollten und wo die Grenzen zu ziehen sind“.
Stefan Palme, Ökobauer aus Angermünde, fühlt sich seit langem genervt von den gegenseitigen Diffamierungen. „Der Bauernverband stellt sich mit seiner Kommunikationsstrategie selbst ins Abseits“, sagt er. Aber die Bestrebungen der Gegenseite, „alle Großbetriebe schlecht zu machen“, verurteilt er ebenso. Wichtig sei ein differenzierter Dialog. Dass Mesecke die Steuerzahler in den Großstädten davon ausschließen wolle, sei absurd. Auch wenn ihn selbst manchmal ärgere, „dass viele Leute ein verklärtes Bild von der Landwirtschaft haben“, gesteht Palme.


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