Abschuss möglich : Land legt auf Problemwölfe an

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Nachdem in Norddeutschland in Siedlungen Wölfe gesichtet worden sind, bereitet sich auch Brandenburg auf Maßnahmen für den Fall eines Angriffs auf Menschen vor.

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05. Juni 2015, 22:00 Uhr

Nachdem in Norddeutschland in Siedlungen Wölfe gesichtet worden sind, bereitet sich auch Brandenburg auf Maßnahmen für den Fall eines Angriffs auf Menschen vor.

Seit der Rückkehr des Wolfes nach Brandenburg vor etwa 15 Jahren und seiner stetigen Ausbreitung häufen sich Berichte über ungewollte Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Zuletzt hatte der Landesjagdverband (LJVB) prognostiziert, dass derlei Zusammentreffen weiter zunehmen werden. „Dabei kann niemand ausschließen, dass es zu Missverständnissen kommt, die eine direkte Konfrontation zur Folge haben“, sagt LJVB-Präsidiumsmitglied Udo Appenzeller.

Beim Umweltministerium in Potsdam betont man hingegen, dass bislang nie eine ernsthafte Gefahr für Menschen bestanden habe. Experten versichern, dass gesunde Wölfe mit äußerster Vorsicht auf Menschen reagieren und sich bei einer Begegnung von sich aus zurückziehen. Nachdem sich kürzlich jedoch Meldungen aus Norddeutschland häuften, wonach Wölfe die Scheu vor Menschen verloren haben und am helllichten Tag durch Dörfer gelaufen sind, ist man auch im hiesigen Umweltministerium hellhörig geworden. Axel Steffen, Leiter der Abteilung Naturschutz, hatte am Mittwoch im zuständigen Landtagsausschuss erklärt, dass man sich derzeit darauf vorbereitet, „Wölfe aus der Natur zu entnehmen“ – sprich, sie im Ernstfall zum Abschuss freizugeben.

Der Wolf ist laut Naturschutzgesetz ein streng geschütztes Tier. Die Jagd auf ihn ist grundsätzlich verboten. Im Umweltministerium weist man jedoch darauf hin, dass dennoch der Grundsatz gilt: Die Sicherheit des Menschen geht vor. Vor diesem Hintergrund sei ein Abschuss von „auffälligen Wölfen“, die die Scheu vor Menschen verloren haben oder wiederholt Nutztierherden angreifen, durchaus zulässig. Allerdings setze eine Tötung voraus, dass alle anderen Schutzmaßnahmen ausgeschöpft sind beziehungsweise eine unmittelbare Gefahr für Menschen besteht.

Der Wolfs-Managementplan des Landes schreibt vor, dass zum Abschuss ausschließlich qualifizierte Personen berechtigt sind, die vom Landesumweltamt beauftragt wurden. Im Ministerium hieß es dazu am Freitag, dass man derzeit auf der Suche nach möglichen Verantwortlichen sei. Nicht jeder wolle diese Aufgabe übernehmen. Mitunter hätten Kandidaten Bedenken, von der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt zu werden.

Landwirte berichten regelmäßig über Schäden an Nutztieren. Das Landeslabor in Frankfurt (Oder) untersucht derzeit ein Kalb auf mögliche Wolfsspuren. Das Tier war vor etwa zwei Wochen tot auf einer Koppel bei Pohlitz (Oder-Spree) entdeckt worden. Beim Umweltamt spricht man bezüglich gerissener Nutztiere von absoluten Einzelfällen.

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