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Umstritten : Kritik an vertraulicher Geburt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eigentlich sollten Babyklappen und anonyme Geburt mit der Einführung der vertraulichen Geburt abgeschafft werden. Doch nun wird es für Mütter weiterhin möglich sein, ihre Identität nicht preiszugeben – auch in Brandenburg.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 11:59 Uhr

Eigentlich sollten Babyklappen und anonyme Geburt mit der Einführung der vertraulichen Geburt abgeschafft werden. Doch nun wird es für Mütter weiterhin möglich sein, ihre Identität nicht preiszugeben – auch in Brandenburg. Denn ab Mai können Frauen in Deutschland ihr Kind vertraulich zur Welt bringen. Doch anders als bei der anonymen Geburt müssen die Mütter dabei ihre persönlichen Daten hinterlassen. Die Angaben werden in einem verschlossenen Umschlag aufbewahrt. Ab dem 16. Lebensjahr kann das Kind dann erfahren, wer seine leibliche Mutter ist.

Auf diese Weise trage die Bundesregierung dem Recht eines jeden Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft Rechnung, lobt Matthias Leupold, stellvertretender Chefarzt der Abteilung Frauenheilkunde und Geburtshilfe im St.-Josefs-Krankenhaus in Potsdam. Dennoch wollen die Potsdamer an ihrer Babyklappe festhalten. „Wir verstehen das neue Angebot als Ergänzung, nicht als Alternative“, begründet Leupold. Vor über zehn Jahren hat die Klinik die bislang einzige Babyklappe im Land Brandenburg eingerichtet. Bisher wurden dort acht Kinder abgelegt. Sie leben bei Adoptiveltern. Frauen können in dem Krankenhaus auch anonym entbinden. In den vergangenen zehn Jahren kam dies zwei Mal vor, berichtet Leupold. „Auch dieses Angebot bleibt auf jeden Fall bestehen.“

Somit wird sich die Hoffnung vieler Kritiker von Babyklappen und anonymer Geburt, dass die in einer rechtlichen Grauzone praktizierten Angebote mit Einführung der vertraulichen Geburt abgeschafft werden, nicht erfüllen. Dabei war es ursprünglich von Ex-Familienministerin Kristina Schröder (CDU) so angekündigt. Im vergangenen Sommer beschloss der Bundestag aber ein Gesetz, das die völlige Anonymität weiter duldet.

Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Beatrix Philipp stimmte dagegen. Die Hoffnung der Befürworter, allein durch das Angebot der vertraulichen Geburt die Anonymität überflüssig zu machen, teilt sie nicht. Zugleich widerspricht Philipp der Annahme, dass der Gesetzgeber es nun schafft, „heimliche Geburten außerhalb von medizinischen Einrichtungen so unnötig wie möglich zu machen und Fälle zu verhindern, in denen Neugeborene ausgesetzt oder getötet werden“, wie es beim Bundesfamilienministerium heißt.

Denn insgesamt bringen in Deutschlandjedes Jahr mehr als 100 Frauen ihr Kind unerkannt zur Welt. Mittlerweile gibt es etwa 130 Kliniken, in denen anonym entbunden werden kann. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Kinder heimlich zu Hause geboren werden. Regelmäßig werden Säuglinge in einer der rund 100 Babyklappen abgelegt. Zwischen 25 und 30 Neugeborene werden jedes Jahr getötet oder ausgesetzt.

Auch Thomas Erler, Chefarzt der Kinderklinik am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus, bezweifelt, dass die Zahl der Tötungen und Aussetzungen mit dem neuen Gesetz sinkt. Betroffene Frauen würden fast immer unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden und das Verborgene suchen. „Sie werden von der Geburt überrascht, weil sie ihre Schwangerschaft verdrängt haben, und handeln dann völlig irrational.“

Seit 2012 gibt es ein Mutter-in-Not-Telefon am Cottbuser Krankenhaus. Es soll Frauen helfen, die in Gefahr sind, ihr Kind zu töten. Bisher ist es aber kein einziges Mal um eine mögliche Kindstötung gegangen, berichtet Erler.

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