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Sorbenrat : Kreuzchen in eigener Sache

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Erstmals wird per Briefwahl abgestimmt

Jörg Masnik sitzt in einem spärlich eingerichteten Raum an einem Tisch und macht immer dasselbe: Der 44-Jährige nimmt einen gelben Zettel vom Stapel und steckt ihn in einen Briefumschlag. Vor Monaten wurde das kleine Wahlbüro in der Cottbuser Innenstadt aus dem Boden gestampft. Masnik und weitere ehrenamtliche Mitarbeiter stemmen eine „Mammutaufgabe“, wie es der Wahlleiter ausdrückt. Sorben in Brandenburg können erstmals per Briefwahl über den Sorbenrat abstimmen. Der ist ein beratendes Gremium im Landtag. Am 31. Mai endet die Wahl.

Rund 1000 Menschen hätten sich bereits ins Wählerverzeichnis eingetragen, berichtet Masnik. Bis zum Ablauf der Frist am 24. Mai würden es vermutlich noch viele mehr. Am letzten Maitag um 10 Uhr ist die Briefwahl zu Ende; dann geht es ans Auszählen. Der 44-Jährige weiß, dass dies wieder zahlreiche Überstunden bedeutet.

Zunächst war ein Wählerverzeichnis anzulegen. „Das ist schon heftig“, stellt der derzeitige Vorsitzende des Sorbenrats, Harald Konzack, fest. Obendrein musste die Abwicklung der Briefwahl konzipiert werden; zahlreiche Dokumente waren zu erstellen und ins Sorbische zu übersetzen. „Bei der nächsten Wahl kann man dann schon auf vieles zurückgreifen“, meint Masnik. „Die ganze Sache wurde aber unterschätzt.“

Acht Kandidaten stellen sich zur Wahl: sechs Männer und zwei Frauen. Der Jüngste von ihnen ist Jahrgang 1991, der Älteste Jahrgang 1946. Teilweise gehören sie schon dem aktuellen Sorbenrat an und stellen sich zur Wiederwahl. Die fünf Kandidaten mit den meisten Stimmen bilden das Gremium. Der Stimmzettel ist zweisprachig - auf Sorbisch heißt er: Gosowaskilisik. Bei der Briefwahl kann jeder mitmachen, der sich zur sorbischen Kultur bekennt, seinen Wohnsitz in Brandenburg hat und 16 Jahre oder älter ist.

Geschätzt leben in Brandenburg 20 000 Sorben, wo sie sich auch Wenden nennen; in Sachsen sind es rund 40  000. Die Sorben siedeln seit rund 1500 Jahren im heutigen Osten Deutschlands und leben heute ausschließlich in der Lausitz.

Vor der Briefwahl wurde auf einer Versammlung des Dachverbands sorbischer Vereine, Domowina, abgestimmt. Schon jetzt übersteige das neu erstellte Wählerverzeichnis die Zahl der dortigen Wähler um ein Vielfaches, sagt Masnik. Und Konzack ergänzt: „Das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.“ Dass jetzt per Briefwahl abgestimmt wird, liege auch daran, dass es immer wieder Kritik am bisherigen Ablauf gegeben habe. Es seien sogar Vorwürfe der Wahlfälschung erhoben worden.

In Sachsen wählt der Landtag den Sorbenrat. Die Nominierungen kommen über ein Urwahlverfahren bei der Domowina, wie die wiedergewählte Sorbenrats-Vorsitzende Maria Michalk erläutert. Dabei soll es einstweilen bleiben. Zugleich wolle man sich aber stärker mit dem Gremium in Potsdam austauschen. „Wir verfolgen ganz aufmerksam in Brandenburg die Entwicklung der Umsetzung des neuen Sorbengesetzes.“ Es ist seit vergangenem Sommer in Kraft, wodurch die Briefwahl möglich wurde.

Masnik verliert trotz der Papierflut nicht die Lust an der Wahl. Sie sei wichtig, damit das Sorbische weiter gepflegt wird, ist er überzeugt. In seiner Familie wird die Kultur schon seit Generationen gelebt. „Meine beiden Omas trugen tagtäglich Tracht“, erzählt der Cottbuser. Es gebe viele Dialekte innerhalb des Sorbischen. „Wenn wir als Kinder nichts verstehen sollten, haben sie Wendisch geredet“, erinnert er sich . Deshalb habe er sich zum Sorbischen auch etwas Wendisch angeeignet.

 

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