Brandenburgs Ärzteschaft lehnt neues Bundesgesetz ab: : Kein Zwangsankauf von Arztpraxen

Brandenburgs Ärzteschaft lehnt neues Bundesgesetz ab.
Foto:
1 von 1
Brandenburgs Ärzteschaft lehnt neues Bundesgesetz ab.

Es sieht unter anderem vor, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen in Regionen mit einer Überversorgung an bestimmten Fachärzten Arztpraxen aufkaufen und schließen dürfen.

Brandenburgs Ärzte sind gegen das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Versorgungsstärkungsgesetz. Es sieht unter anderem vor, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen in Regionen mit einer Überversorgung an bestimmten Fachärzten Arztpraxen aufkaufen und schließen dürfen. Umgekehrt soll es Anreize geben, damit sich Mediziner in bisher unterversorgten Regionen wie der Uckermark niederlassen.

„Das ist eine Möglichkeit, aber für Brandenburg keine Option“, sagt der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Christian Wehry. In Brandenburg müsste die KV bis zu 417 Praxen aufkaufen. „Aber das muss man jetzt mal weiterspielen“, so Wehry. Denn oft würde schon die Schließung einer einzigen Praxis dazu führen, dass eine Region von der Überversorgung in die Unterversorgung rutscht. „Da wird dann der Wahnsinn dieses Gesetzes klar: Einerseits soll die KV Geld in die Hand nehmen, um einen Arztsitz aufzukaufen, und dann aber noch einmal Geld in die Hand nehmen, um in derselben Region die Niederlassung eines neuen Arztes zu fördern.“ Auch wenn das neue Gesetz den Ankauf von Arztsitzen ermögliche, werde das in Brandenburg nicht der Fall werden.


Kapazitäten sind schon jetzt erschöpft


Daneben sieht das Gesetz die Einrichtung von Terminservicestellen vor, um lange Wartezeiten auf Facharzttermine zu vermeiden. „Patienten, die einen dringenden Termin beim Facharzt brauchen, bekommen ihn auch heute schon“, sagt der Präsident der Landesärztekammer, Udo Wolter. „Ich kenne keinen Arzt, der nicht zum Telefon greift und sich persönlich um einen Termin bei einem Fachkollegen kümmert, wenn Dringlichkeit besteht.“

Das Gesetz sieht dagegen vor, dass Patienten nach vier Wochen ein Krankenhaus zur ambulanten Facharztbehandung aufsuchen können. „Die Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken sind vordergründig auf die stationäre Behandlung eingestellt“, so Wolter. „Zudem sind die Kapazitäten der Kliniken schon jetzt so gut wie ausgeschöpft.“ Aus Sicht der Ärztekammer würden sich der Zwangsaufkauf von Praxissitzen auf der einen Seite und die Einrichtung von Terminservicestellen gegenseitig ausschließen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen