Ex-Ministerpräsident : „Ich kauf mir einen Trecker“

Matthias Platzeck möchte  im  neuen Lebensjahrzehnt für die Enkel da sein, sich einen kleinen Traktor kaufen, ein Streuobstwiese anlegen und sich auch wieder dem Segeln widmen.
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Matthias Platzeck möchte im neuen Lebensjahrzehnt für die Enkel da sein, sich einen kleinen Traktor kaufen, ein Streuobstwiese anlegen und sich auch wieder dem Segeln widmen.

Matthias Platzeck feiert am Sonntag seinen 60. Geburtstag und hat sich für das neue Lebensjahrzehnt einiges vorgenommen

svz.de von
28. Dezember 2013, 23:36 Uhr

Der Abgeordnete Matthias Platzeck (SPD) wirkt sehr aufgeräumt in seinem noch sehr unaufgeräumten Büro im neuen Potsdamer Landtag. „Richtig schön ist das hier“, sagt der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident und strahlt. Gerade erst ist das Parlament nach 23 Jahren in der ehemaligen SED-Bezirksleitung in den Neubau des historischen Stadtschlosses im Zentrum gezogen. In Platzecks Büro lehnt ein Bild noch verpackt an der Wand, er hat sein neues Büro eben erst bezogen. Alles riecht nach Neuanfang. Doch Platzeck hat seinen Abschied aus der aktiven Politik angekündigt. Morgen feiert er seinen 60. Geburtstag.

Seit 1990 ist er dabei und hat allen Brandenburger Kabinetten angehört. Und die Regierung bis zum Rücktritt im August nach einem leichten Schlaganfall elf Jahre lang geleitet. Zur Landtagswahl im kommenden Herbst will der dann 60-Jährige nicht mehr antreten. „Ich habe erkannt, dass man einen Schnitt auch ganz vollziehen muss“, lautet seine einfache Erklärung. Seine politischen Leidenschaften will er außerhalb der Landespolitik weiterverfolgen. „Erstmal möchte ich endlich mehr Zeit für meine Familie haben, die viele Jahre auf mehr Zuwendung gewartet hat“, sagt der Vater von drei Töchtern. „Als die Mädchen klein waren, in den 90er Jahren, brannte hier in Brandenburg nach der Wende die Luft. Da haben die Mädchen nicht so viel von mir gehabt“, erinnert sich Platzeck. „Und nun kommen die Enkelkinder, die einen Großvater brauchen, eins ist schon da.“ In der Uckermark lässt er derzeit eine Bleibe auf dem Land bauen. „Es ist ein schlichtes Häuschen mit schöner Gegend drum 'rum, wo die Enkel die Zusammenhänge der Natur kennenlernen können. Also, das wird alles ein bisschen so wie Jugendherberge.“

Selbst Hand anlegen kann er da nicht, dazu fehlt ihm noch die Zeit. Obwohl Platzeck es könnte: „In der 80er Jahren haben wir zusammen mit den heutigen Mitbewohnern und einigen Freunden in Babelsberg ein völlig verfallenes Haus ausgebaut, in dem wir immer noch wohnen“, erinnert er sich. „Da haben wir auch das Dach neugedeckt, selbst die Zwischendecken mussten wir erneuern.“ Platzeck freut sich auf das Landleben. „Wir werden eine Streuobstwiese anlegen. Und ich kaufe mir einen kleinen Trecker.“ Segeln will er auch wieder: „Ich war bis 1989 begeisterter Regattasegler und war seitdem nie wieder auf einem Boot.“

Was Platzeck in seinem neuen Büro ausgepackt hat, weist bereits auf seine künftige Arbeit hin, ein jüdischer Chanukka-Leuchter. Platzeck ist seit Jahren stellvertretender Vorsitzender der Jerusalem-Foundation und setzt sich für die Verbesserung der jüdisch-palästinensischen Beziehungen ein. Im deutsch-russischen Forum und im Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet er an den Beziehungen zu den Nachbarn im Osten. Hinzu kommen Schirmherrschaften für Organisationen wie „Hilfe für Familien in Not“ und die Brandenburger Multiple Sklerose Gesellschaft. Im ZDF-Verwaltungsrat will er zudem weiter Medienpolitik machen.

Memoiren plant Platzeck, der 1997 wegen seiner Einsätze nach der Oderflut den Beinamen „Deichgraf“ erhielt, nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik nicht. „Es gibt ja genug, die schreiben ja schon nach vier Jahren im Amt Memoiren, aber das ist meine Sache nicht.“ Er will künftig zwischen der Uckermark und seinem Kiez in Potsdam-Babelsberg pendeln. Und er bleibt Gast in seiner Stammkneipe, bei „Hiemke“, seit 1896 in Familienbesitz. „Da habe ich die Kinder der Seniorchefin Uschi Zander aufwachsen sehen, die jetzt die Kneipe führen“, sagt Platzeck. „Da bin ich nicht der ehemalige Ministerpräsident, sondern Matthias. Und da gehe ich heute Abend auch wieder hin.“

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