Windenergie : „Großversuch am Menschen“

Windkraftgegner warnen / Volksinitiative gegen einen weiteren Ausbau spricht im Landtag

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01. September 2015, 17:12 Uhr

Weil Windräder in Brandenburg immer mehr Greifvögel töten, könnte es zwischen Elbe und Oder bald eine Mäuse- und Rattenplage geben. Bei empfindlichen Menschen erhöhten die überall in Brandenburg zur Stromerzeugung errichteten Windräder zudem die Neigung zu Krampfanfällen. Zudem mache der von den Turbinen ausgehende Schall unterschiedlicher Frequenzen vielen Anwohnern einen ruhigen Schlaf unmöglich.
Argumente wie diese brachten gestern Vertreter der Brandenburger Volksinitiative „Rettet Brandenburg“, die sich für größere Mindestabstände von Windrädern sowie keine Windräder im Wald einsetzt, im Infrastrukturausschuss des Potsdamer Landtags vor.

Die von mehr als 30 000 Brandenburgern unterzeichnete Volksinitiative fordert vor allem die Einführung der so genannten 10h-Regel. Ihr zufolge soll der Mindestabstand zwischen einem Windrad und der nächstgelegenen Wohnbebauung künftig die zehnfache Höhe des Windrades betragen. Dies hätten sogar schon vier Kreistage beschlossen, sagte die Berliner Kinderchirurgin Regina Pankrath in der Anhörung.

Sie erinnerte daran, dass Infraschall in hoher Intensität vom Militär als Waffe gegen feindliche Truppen benutzt werde, und auch Haustiere mittlerweile empfindlich auf Windkraftanlagen reagierten. „Rinder meiden bei Wind den Stall, Hunde zeigen Angstverhalten und Nerze bringen sich zu Tausenden um.“

Nicht jeder Mensch werde von Windrädern krank, „aber es gibt auch Kettenraucher, die keinen Lungenkrebs bekommen“. Man müsse sich „dagegen wehren, dass durch einen weiteren Ausbau der Windenergie ein Großversuch am Menschen durchgeführt wird“, so Pankrath.
Während die Alternative für Deutschland (AfD) und die Freien Wähler die Volksinitiative unterstützte – der AfD-Abgeordnete Andreas Kalbitz sprach von einer „herrschenden Ignoranz der Windkraftideologen - hatten Vertreter aller übrigen Fraktionen indes kritische Nachfragen an die Adresse der Windkraftgegner.

So erkundigten sich gleich mehrere Abgeordnete, durch welche Energieträger denn der Windstrom ersetzt werden sollte. Hier sprachen sich die Vertreter der Volksinitiative für den Weiterbetrieb der Lausitzer Braunkohlentagebaue aus – was die ehemalige Umweltministerin Anita Tack (Linke) dann deutlich werden ließ.

„Ich finde es gut, wenn sich Menschen engagieren“, sagte Tack. „Aber das Leben ist schon etwas komplexer, als nur die Ablehnung von Windkraft und die Schaffung der 10-h-Regelung.“

Schließlich habe auch der Braunkohlentagebau Folgen für das Weltklima. Und jede Erweiterung würde ebenfalls Lebensräume zerstören. „Wir müssen da schon etwas stärker in Zusammenhängen denken“, sagte die Landtagsabgeordnete der Linken. Dass sich die Volksinitiative im Landtag durchsetzen können wird, erscheint da am Ende doch höchst fraglich.

Im Juni hatte sich der Kreistag Prignitz mit diesem Thema befasst. Geht es nach dem Willen der Kreistagsabgeordneten, sollen Windräder künftig einen Mindestabstand des 10-fachen ihrer Höhe zur Wohnbebauung haben. Der Antrag der CDU fand eine Mehrheit und ging als Forderung an die Landesregierung.

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