Umstritten : Gegen Ost-Frauen? Mütterrente stößt weiter auf Kritik

Unbeschwertes Mutterglück: Sprüche von außen sollten frischgebackene Mamas  besser ignorieren.  
Unbeschwertes Mutterglück: Sprüche von außen sollten frischgebackene Mamas besser ignorieren.  

Dass ostdeutsche Frauen dabei offensichtlich schlechter gestellt sind und einen mit 25,74 Euro im Monat geringeren Zuschlag zu erwarten haben als Mütter im Westen, birgt Zündstoff.

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02. Februar 2014, 23:22 Uhr

Schwer zu verstehen, schwer zu erklären, schwer zu finanzieren – zumindest darin ist sich die Politik einig, wenn es um die anstehende Mütterrente der schwarz-roten Bundesregierung geht. Dass ostdeutsche Frauen dabei offensichtlich schlechter gestellt sind und einen mit 25,74 Euro im Monat geringeren Zuschlag zu erwarten haben als Mütter im Westen, birgt Zündstoff.

Vom leidigen „Ostfaktor, der immer wieder herangezogen wird“ und zu weiterer struktureller Benachteiligung führt, spricht der brandenburgische Bundestagsabgeordnete Thomas Nord (Linke). Seine Fraktionskollegin Birgit Wöllert aus der Lausitz stößt sich nicht nur an der Ungleichbehandlung der Mütter, sondern daran, dass die Rente nicht aus Steuern finanziert wird. „Die Besserverdienenden werden nicht an der Finanzierung beteiligt“, bemängelt Wöllert.

Ein Kritikpunkt, den selbst die Sozialdemokraten nicht abstreiten können. „Wir können das Paket nicht ewig aus Rentenmitteln finanzieren“, gibt Stephan Zierke, SPD-Bundestagspolitiker aus der Uckermark, zu. Schließlich koste die Mütterrente unterm Strich mehr als die geplante Rente mit 63, von der wiederum die Ost-Frauen stärker als jene im Westen profitieren würden.

Von einer pauschalen Benachteiligung ostdeutscher Mütter will Zierke wie auch die stellvertretende SPD-Fraktions-Chefin im Brandenburger Landtag, Sylvia Lehmann, deshalb nur ungern sprechen. „Die Frauen im Osten haben ganz andere Berufsbiografien – sie waren länger berufstätig und haben so mehr Rentenpunkte sammeln können“, sagt sie. Man müsse abwarten, ob es am Ende tatsächlich gravierende Verzerrungen gibt.

Der strittige Punkt im voraussichtlich ab Juli geltenden Rentenpaket ist, dass von der Mütterrente vor allem jene Frauen profitieren, die zur Kindererziehung zu Hause blieben – der klassische Westfall. Ostdeutsche Mütter, die es nach der Geburt ihres Kindes wieder schnell an den Arbeitsplatz zog, müssen mit weniger Geld rechnen. Frauen die schon jetzt Rente beziehen, erhalten einen zusätzlichen Entgeltpunkt für jedes vor 1992 geborene Kind – ihr monatlicher Betrag erhöht sich um knapp 26 Euro.

lrike Häfner, erste Sprecherin des frauenpolitischen Rats Brandenburg, sieht das entspannt. „Ich wehre mich nicht gegen 26 Euro“, sagt sie. Grundsätzlich sei es natürlich problematisch, dass eine gesamtgesellschaftliche Leistung so abgefrühstückt wird. Die Benachteiligung für Frauen, die Kinder zur Welt gebracht haben, werde mit der Mütterrente nicht aufgehoben, aber das Paket sei ein Schritt in die richtige Richtung.

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