Bilanz : Gauck hat die Erwartungen erfüllt

<fettakgl>Ein kleines Bad in der Menge:</fettakgl> Joachim Gauck begrüßt  vor dem Schloss von Schwerin eine Urlauberfamilie aus Leipzig. <fotos> Fotos: dpa</fotos>
1 von 2

Heute vor zwei Jahren wurde der Rostocker zum Bundespräsidenten gewählt. Professor Jürgen W. Falter zieht eine positive Zwischenbilanz

svz.de von
18. März 2014, 07:53 Uhr

Am 18. März 2012 ist Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt worden. Wie macht er sich? Mit Professor Jürgen W. Falter, Parteienforscher an der Uni Mainz, sprach Andreas Herholz.

Wie fällt die Bilanz des Staatsoberhauptes nach den ersten zwei Jahren aus?

Falter: Er hat die Erwartungen erfüllt, die man in ihn gesetzt hatte. Joachim Gauck hat bewiesen, dass er die Bundesrepublik mit guten und klugen Reden nach außen und innen würdig vertreten kann. Natürlich hilft ihm da auch das Pastorale, das ihm als ehemaligem Pfarrer zu eigen ist. Er verfügt auch über die notwendige Empathie und zeigt an der richtigen Stelle Rührung. Gauck ist unabhängig und hat bereits Pluspunkte im Ausland für Deutschland gesammelt. Er hatte bereits bei Amtsantritt einen Bonus und ihn seitdem noch deutlich vergrößert.

Ist es nicht schon ein Gewinn, dass das Amt des Bundespräsidenten nach der Amtszeit von Christian Wulff wieder aus den Negativschlagzeilen heraus ist?

Ja, natürlich. Der Bundespräsident sollte nicht jeden Tag in den Schlagzeilen sein. Er sollte sparsam Akzente setzen, aber dann umso deutlicher. Im kollektiven Gedächtnis bleibt oft nur eine Rede oder ein Thema haften: Da war die Rede zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus von Weizsäckers, die Ruck-Rede von Herzog, Raus Versöhnen statt Spalten, das Afrika-Engagement von Horst Köhler und Wulffs „Der Islam ist auch ein Teil von Deutschland“.

Mit seiner Forderung, Deutschland müsse seine außen- und sicherheitspolitische Zurückhaltung aufgeben, hat er nicht nur Beifall erhalten.

So etwas macht man nicht ohne Abstimmung mit der Bundesregierung. Dieser Vorstoß schien schon koordiniert gewesen zu sein. Außenminister Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sind ja gleich auf den Zug aufgesprungen.

Sollte sich Gauck für eine zweite Amtszeit bewerben?

Seine Amtszeit endet 2017. In einer zweiten Amtszeit wäre er dann über 80 Jahre alt. Es ist durchaus möglich, dass man sich überparteilich auf ihn als Kandidat für eine zweite Amtszeit einigt. Aber er wird sich selbst prüfen müssen, ob er dies in seinem Alter noch machen will.

Es gibt immer wieder Forderungen, den Bundespräsidenten direkt vom Volk wählen zu lassen. Wäre dies ein sinnvolles Verfahren?

Da würde man mit prozeduralen Kanonen auf institutionelle Spatzen schießen. Dann müsste man seine Befugnisse und Zuständigkeiten deutlich ausweiten, ihm mehr Macht geben. Das will aber niemand wirklich.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen