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Wie geht es mit Brandenburgs Schulen weiter? : Frieden weiter nicht in Sicht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

CDU stellt Antrag und kritisiert Regierungslager für eingeschlagenen Weg.

Wie geht es mit Brandenburgs Schulen weiter? Nachdem die Linkspartei vor kurzem in einem Positionspapier den Einstieg in die Gemeinschaftsschule forderte, konterte gestern die CDU. Mit einem Antrag im Potsdamer Landtag versuchte die stärkste Oppositionsfraktion, die Landesregierung zu einem „Schulfrieden“ zu bewegen. Statt weitere Experimente und Pilotprojekte zu starten, sollten die verfügbaren Lehrkräfte lieber zur Absicherung des Unterrichts im bestehenden System eingesetzt werden.

„Wir haben immer mehr Kinder in immer größeren Klassen“, beklagte der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann. „In Perleberg müssen Gymnasiasten sogar in eine andere Stadt fahren, weil keine dritter Zug am Gymnasium eingerichtet wird.“ Doch statt solche Probleme zu lösen, würde die Linke die „Kopfgeburt der Einheitsschule“, einen „verstaubten Klassiker aus der ideologischen Trickkiste“, propagierten. „Das ist nicht die große Lösung, das ist ganz großer Blödsinn“, so Hoffmann.

Für die Bildungsexpertin der Linken, Kathrin Danneberg, war das ein gefundenes Fressen. „Wenn Sie Schulfrieden meinen, meinen Sie Stagnation – alles bleibt, wie es ist, und führt im schlimmsten Fall zum Schulfriedhof“, so Dannenberg. Wenn sich die Gesellschaft verändere, müsse sich auch die Schule verändern. „Wir wollen Chancengleichheit und ein langes gemeinsames Lernen in einer Schule“, sagte Dannenberg. Für Kinder gebe es nichts Besseres, als voneinander zu lernen.

In der Zwickmühle fand sich da plötzlich die SPD. Denn einerseits hatten die Sozialdemokraten den Vorschlag der Linken zur Gemeinschaftsschule unmittelbar nach seiner Vorstellung öffentlich verworfen. Andererseits aber wollte man dem CDU-Antrag nicht zustimmen - „es ist wiedermal ein einfacher Versuch, einen Keil in die Koalition zu treiben“, beschwerte sich die SPD-Landtagsabgeordnete Simona Koss - und umriss damit wohl eher unwillkürlich, aber dennoch treffend die Aufgaben der Opposition. „Aber da wir uns klar und deutlich für den Schulfrieden ausgesprochen haben, benötigen wir diesen Antrag nicht.“

So war es an Bildungsminister Günter Baaske (SPD) und der Bildungsexpertin der Grünen, Marie-Luise von Halem, den Spagat zu versuchen. „Wir müssen zulassen und erkennen, dass Schule in Potsdam anders zu organisieren ist, als im Fläming“, sagte Baaske. Modellprojekte muss es geben können, „aber das muss sehr bedächtig passieren, man muss die Menschen mitnehmen können.“ Und auch von Halem plädierte dafür, statt „Schulstarre und Leblosigkeit“, Oberschulen und Gymnasium zu Gesamtschulen mit Oberschule zusammenzulegen. Weswegen der Antrag der CDU am Ende mit der rot-rot-grünen Mehrheit abgelehnt wurde – und es in der Brandenburger Bildungspolitik wohl auch in den nächsten Jahren noch jede Menge Modellprojekte geben wird.


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