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Flüchtlinge in Brandenburg : Freie Schulen ohne Flüchtlingskinder

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburg fördert keine „Willkommensklassen“ an privaten Bildungsstätten

von
erstellt am 20.Okt.2015 | 14:49 Uhr

Sie würden gern helfen, dürfen aber nicht: In Brandenburg können Schulen in freier Trägerschaft keine Willkommensklassen für Flüchtlingskinder eröffnen. Das Land ist nicht bereit, nötige Zuschüsse an die freien Schulen zu bezahlen. „Das Land sperrt sich dagegen, dass Flüchtlinge an Schulen in freier Trägerschaft beschult werden“, sagt Tilo Steinbach von der „Arbeitsgemeinschaft freier Schulen“ in Brandenburg. „Wir würden uns gern beteiligen, wenn wir dafür eine Kompensation erhalten.“

In Berlin ist die Einrichtung von Willkommensklassen an freien Schulen möglich. „Das Land zahlt den üblichen Personalkostenzuschuss für eine Lerngruppe von 12 Kindern in einer Willkommensklasse“, sagt Iris Stegmann von der Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Während für einheimische Schüler Schulgeld anfalle, um die übrigen Kosten zu decken, würden die freien Schulen es für Flüchtlingskinder selbst aufbringen. „Schon heute werden einzelne Kinder, die von einer Kirchengemeinde betreut werden, an unseren Schulen unterrichtet“, sagt Iris Stegmann.

In Brandenburg habe die Evangelische Schule in Neuruppin Interesse an einer Willkommensklasse – dass die Schule diese Herausforderung meistern würde, dürfte angesichts des vor einigen Jahren erhaltenen „Deutschen Schulpreises“ wohl kaum zur Debatte stehen. „Gäbe es Willkommensklassen an freien Schulen, wäre das für den Staat auf jeden Fall eine kostengünstige Lösung – denn er müsste nicht 100 Prozent der Kosten selber tragen“, so Stegmann.

Auch CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann unterstützt die freien Schulen. „Ich bin froh, dass diese sich beim Thema Flüchtlinge engagiert einbringen wollen“, sagte Hoffmann. „Die Landesregierung sollte dieses Engagement fördern und nicht behindern. Sonst besteht die Gefahr, dass Willkommenskultur ein Lippenbekenntnis bleibt.“

Doch das Potsdamer Bildungsministerium sieht die Dinge anders. „Sofern eine Schule in freier Trägerschaft Flüchtlingskinder aufnimmt, werden diese wie alle anderen Schüler im Betriebskostenzuschuss berücksichtigt“, sagte Sprecherin Antje Grabley auf die Frage, ob Schulen in freier Trägerschaft Zuschüsse für Willkommensklassen erhielten. „Die Zahlung zusätzlicher Zuschüsse für die Einrichtung von Vorbereitungsgruppen oder Förderkursen gemäß Eingliederungsverordnung ist nicht vorgesehen.“

Die verlässliche Zuweisung von Flüchtlingskindern an Schulen in freier Trägerschaft sei nicht möglich, weil diese selbst entschieden, mit welchen Schülern und Eltern sie Schulverträge schließen. Daher kann das Landesschulamt sie bei der Planung nicht berücksichtigen.

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