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Bürgermeister hört auf : Fast 25 Jahre „volle Pulle“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Werner Große tritt in Werder als Bürgermeister ab. Unter dem CDU-Patriarchen ist die Stadt aufgeblüht . Gegner werfen ihm Filz vor.

Werner Große (CDU) ist wohl das, was man als volksnah bezeichnet. Wenn der Bürgermeister mit seinem Auto durch sein Werder an der Havel fährt, dann grüßen ihn die Bürger auf dem Trottoir. Und Große winkt durch das Seitenfenster zurück. Seit Mai 1990 ist der 64-Jährige Bürgermeister von Werder, dem schmucken Städtchen an der Havel. Er würde gerne weitermachen, aber seit 2012 leidet er an Krebs. Wegen der Erkrankung könne er sein Amt nicht mehr mit vollem Einsatz ausfüllen: „In dem Job brauchst Du volle Pulle“, sagt das Stadtoberhaupt.

Als der Bürgermeister sein Amt antrat, existierte formal noch die DDR. Fast 25 Jahre später macht Große nun bald Schluss. „Man soll immer aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagt der CDU-Politiker, der auch Präsident des brandenburgischen Städte- und Gemeindebunds ist. Regulär würde Großes vierte Amtszeit 2018 enden. Bei der Wahl 2010 hatte er ganze 81,77 Prozent der Stimmen geholt. Nur die SED holte früher im Osten noch mehr Stimmen.

Werder ist eine Stadt, die nach der Wiedervereinigung aufblühte wie die vielen Obstbäume in der Region. Am Rande Potsdams gelegen und von viel Wasser umgeben, ist der Ort schon von Natur aus reizend. Zudem sorgte die Stadtverwaltung dafür, dass sich Werder zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelte.

So kann man in der ganzen Innenstadt kostenlos parken. In Berlin und Potsdam werden die Autofahrer in der City kräftig zur Kasse gebeten, um die leeren Haushaltskassen aufzufüllen. In Werder parken alle umsonst. „Es ist wichtig, die Leute in die Stadt zu holen“, erklärt Große.

Hinzu kommt eine unternehmerfreundliche Politik im Rathaus. Möglichst viele Investoren nach Werder locken, das ist das Credo. Die Firmen bringen Arbeitsplätze und Geld. Mit Sponsoren wird in Werder umgegangen wie bei einem Fußballverein. „Mit freundlicher Unterstützung von ... “ steht auf manchem sanierten Gebäude. Die Arbeitslosenquote liegt in Werder bei vier Prozent – für ostdeutsche Verhältnisse ist das sensationell niedrig.

Kritiker monieren Großes Nähe zu Investoren. Der Bürgermeister unterstützte den später verurteilten Hotelier Axel Hilpert und dessen sündhaft teures Resort Schwielowsee – einer der schillerndsten Fälle von Wirtschaftskriminalität in Brandenburg. Verhoben hat sich Werder auch mit der Blütentherme. Der Wellness-Tempel erlebte eine Kostenexplosion, sechs Mal wurde die Eröffnung verschoben. Darauf angesprochen, winkt Große ab. Heute brauche man nur mit einem Unternehmer einen Kaffee trinken gehen, da sei man „gleich korrupt“, sagt er. Seine Politik habe „immer stabile Mehrheiten“ gehabt.

Eine „unheimliche Dominanz“ gehe von dem Bürgermeister aus, die Opposition im Stadtparlament werde unterdrückt, sagt hingegen ein politischer Gegner. Großes rechte Hand ist sein Sohn: Christian Große ist nicht nur Sprecher der CDU-Fraktion, sondern auch Landesgeschäftsführer des Brandenburger CDU. Nachfolgerin als Stadtoberhaupt von Werder soll aber Manuela Saß werden. Die Vize-Bürgermeisterin ist parteilos, gilt aber als Wunschkandidatin von Große. Im Herbst wird gewählt, bis dahin will Große noch weitermachen.

Im Grunde, so heißt es, sei Große ein ganz normaler Bürgermeister: Nach der Wende habe er die Fördermittel aus dem Westen gut verteilt. Durch das Geld sei die Stadt von ganz alleine aufgeblüht. „Aber Große stilisiert sich als der große Macher.“ Es ist wohl auch Neid, der da mitschwingt.

Werner Große ist stolz auf sein Lebenswerk. Er habe nie Ambitionen gehabt, höhere Ämter zu übernehmen, sagt der 64-Jährige. Helmut Kohl, Angela Merkel – alle seien sie in Werder gewesen. Aber Große blieb bei der Kommunalpolitik, denn da sehe man immer wieder „die Ergebnisse seiner Arbeit“, sagt der Bürgermeister und steigt zurück in sein Auto. Auf der Heckscheibe steht in großen Buchstaben: „Werder-Havel.de“.

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