Haasenburg : Experten beraten über Konsequenzen nach Heim-Skandal

Die Heime der Haasenburg sind längst geschlossen. Abgeschlossen ist das Thema damit jedoch nicht.
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Die Heime der Haasenburg sind längst geschlossen. Abgeschlossen ist das Thema damit jedoch nicht.

Wohin jetzt mit Kindern, mit denen niemand klarkommt?

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08. Juli 2014, 12:03 Uhr

Nach der Schließung der umstrittenen Haasenburg-Heime in Brandenburg beraten Experten aus ganz Deutschland über Konsequenzen für die Jugendhilfe. Etwa 150 Gäste werden zur heutigen Tagung im Jagdschloss Glienicke zwischen Potsdam und Berlin erwartet, teilte ein Sprecher von Brandenburgs Jugendministerium mit.

Unter dem Titel „Macht und Machtmissbrauch in der Heimerziehung?“ wollen Mitarbeiter von Jugendämtern, Juristen, Psychologen und Mediziner über Alternativen von geschlossenen Heimen beraten. „Ich hoffe, wir können einen regelmäßigen Austausch anstoßen“, sagte Martin Hoffmann, Vorsitzender des Haasenburg-Untersuchungskommission.

Die Kommission hatte nach Misshandlungsvorwürfen gravierende Mängel in den Einrichtungen der Haasenburg GmbH festgestellt, eine Schließung jedoch nicht explizit empfohlen. Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) hatte keinen anderen Weg gesehen und dem Betreiber Ende 2013 die Betriebserlaubnis entziehen lassen. Diese Entscheidung hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) Mitte Mai im Eilverfahren bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt gegen Erzieher und Betreiber in rund 50 Fällen wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung. Die ersten drei Anklagen würden in Kürze dem Amtsgericht Lübben zugestellt, sagte Behördensprecherin Petra Hertwig. 15 Verfahren wurden eingestellt. Zudem prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Betreiber falsch abgerechnet haben.

In den Haasenburg-Heimen in Jessern (Dahme-Spreewald), Müncheberg (Märkisch-Oderland) und Neuendorf am See hatten Jugendämter aus ganz Deutschland Kinder und Jugendliche untergebracht. Die Haasenburg GmbH hatte zuletzt 114 Plätze, davon 60 geschlossene.

Brandenburgs Jugendministerium hat nach eigenen Angaben inzwischen die Zahl der Stellen in der Heimaufsicht von drei auf fünf erhöht. Zudem werden die Richtlinien für die Heimaufsicht überarbeitet. Die Kommission hatte zudem eine „ständige bundesweite Konferenz“ in ihrem Untersuchungsbericht empfohlen.

„Die Tagung bietet die Chance, diese in die Gänge zu bringen“, sagte Hoffmann. Jugendhilfe, Schule sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie müssten regelmäßig miteinander im Gespräch sein und die Schnittflächen nutzen, forderte der Berliner Psychologe. Der Haasenburg-Skandal habe verdeutlicht, dass es bei der Zusammenarbeit dieser Bereiche Lücken gebe.

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