Urteil : Ex-Minister wird zum Betrüger

Der frühere brandenburgische Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß wurde gestern verurteilt.
Der frühere brandenburgische Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß wurde gestern verurteilt.

Wolfgang Fürniß erschlich sich rund eine halbe Million Euro / Gericht schickt ihn für drei Jahre ins Gefängnis

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15. April 2015, 16:10 Uhr

Er wickelte Freunde und Bekannte mit seinem Kommunikationstalent um den Finger und zog ihnen rund eine halbe Million Euro aus der Tasche. Betrug, urteilt das Heidelberger Landgericht. Ex-Minister Fürniß steht heute vor den Scherben seiner Existenz.

Er war eine Autoritätsperson und ein außerordentlich guter Geschichtenerzähler mit einem Händchen fürs Manipulative. Nur so ist zu erklären, wieso es Brandenburgs Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) mehrere Jahre nach seiner politischen Amtszeit über einen langen Zeitraum gelang, Freunde und Bekannte um knapp 500 000 Euro zu betrügen.

Er tischte ihnen Lügengeschichten auf und gaukelte ihnen lohnende Investitionsmöglichkeiten vor – beispielsweise eine Beteiligung an Altgoldankäufen oder an Schiffen aus Afrika, die Kupfer nach China bringen sollten. Erzählte, schwer krank zu sein und dringend Geld für eine Therapie in den USA zu brauchen.

Fürniß nutzte seinen Vertrauensvorschuss aus und sehr viele Menschen aus seinem Umfeld zahlten, mal 10 000 Euro, mal 25 000 Euro, Unternehmer ebenso wie ein Handwerker. Für die Darlehensgeber war das Geld futsch, wie sie heute wissen.

 Fürniß wusste das schon damals. „Eine Rückzahlung war schlechterdings nicht möglich“, sagt der Vorsitzende Richter gestern vor dem Heidelberger Landgericht. Er schickt den 70-Jährigen für drei Jahre ins Gefängnis; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bei der Urteilsbegründung verzieht Fürniß kaum eine Miene. Er hat alles gestanden. Wie konnte es so weit kommen? Nach seiner Amtszeit als Politiker ging es mit ihm immer weiter finanziell bergab. Er bekam zuletzt nur noch eine schmale Rente von rund 1500 Euro im Monat, seine angehäuften Schulden konnte er damit nicht abbezahlen.

„Ende 2008 sah sich der Angeklagte einem finanziellen Scherbenhaufen gegenüber“, beschreibt die Kammer seine Situation. „Die einzige legale Konsequenz wäre Privatinsolvenz gewesen.“ Doch diesen Weg wollte Fürniß nicht gehen. „Hier fiel dann recht rasch die Entscheidung für den Weg in die Kriminalität.“ Dass der frühere Oberbürgermeister von Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) nicht die Schmach einer Privatinsolvenz auf sich nehmen wollte, diese vielleicht als Bloßstellung empfand, mag sich aus seiner Persönlichkeitsstruktur erklären lassen. Anerkennung sei ihm sehr wichtig gewesen, hatte ein psychiatrischer Gutachter vor Gericht festgestellt.

Sein Ansehen war schon wegen seines Rücktritts als Minister 2002 angeknackst. Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass er eine Million Dollar vom Scheich von Schardscha erhalten hatte, um private Schulden zu begleichen. Schardscha grenzt an das Emirat Dubai, mit dem Brandenburg gemeinsam eine Chipfabrik in Frankfurt (Oder) bauen wollte. Das Projekt scheiterte.

Der Gutachter hatte auch Fürniß' besondere Überzeugungskraft in der Kommunikation betont: Der „begnadete Geschichtenerzähler“ verstehe es, andere Menschen mit einer „desinformierenden Detailüberschwemmung“ zu belasten. Seine Persönlichkeit sei besonders kreativ. „Er ist nicht der Typ des sogenannten Dampfplauderers.“ Vielmehr habe Fürniß ein ganz feines Gespür für Kommunikation - im Gespräch könne er eine durchaus manipulative Kraft entfalten.

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