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JVA Brandenburg (Havel) : Erfolgreiche Ausbildung – schwierige Finanzen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Derzeit werden Ausbildungen zum Hochbaufacharbeiter oder Maurer angeboten. Finanziert werden die Plätze durch das Land Brandenburg und den Europäischen Sozialfonds (ESF).

Ingemar P. setzt einen Stein auf den anderen, schiebt mit der Maurerkelle den Mörtel in die Fugen. Fünf, sechs Reihen Mauersteine stehen schon. Allerdings nicht sehr lange: Irgendwann wird Ingemar P. sein Bauwerk wieder einreißen müssen. Denn noch sitzt der 37-Jährige für gut eineinhalb Jahre selbst hinter einer Mauer: Er verbüßt eine Gefängnisstrafe in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg (Havel) – und lässt sich in der Werkstatt zum Maurergesellen ausbilden. „Draußen hatte ich eine Ausbildung zum Gas- und Wasser-Installateur abgebrochen“, sagt Ingmar P. In der Werkstatt arbeitet er 7,5 Stunden am Tag. „Aber so kann ich draußen wieder einen Job finden.“

Seit 20 Jahren erhalten Straftäter in der heute noch 350 Plätze umfassenden Haftanstalt Brandenburg (Havel) eine Chance zur Weiterbildung. Derzeit werden Ausbildungen zum Hochbaufacharbeiter oder Maurer angeboten. Finanziert werden die Plätze durch das Land Brandenburg und den Europäischen Sozialfonds (ESF). Auch in anderen Anstalten können sich Strafgefangene fortbilden lassen: In der JVA Cottbus-Dissenchen gibt es die Möglichkeit einer Umschulung zum Koch und Küchenhelfer. Dabei sind die Strafgefangenen überdurchschnittlich erfolgreich: Nach Angaben von Klaus-Dieter Lademann vom „Berufsfortbildungswerk“, das die Trägerschaft für die Werkstätten in Brandenburg (Havel) übernommen hat, hätten alle seit 2001 der Handwerkskammer zur Prüfung vorgestellten 52 Hochbaufacharbeiter und alle 15 Maurer ihre Prüfung bestanden. Und nach der Entlassung aus dem Gefängnis fänden auch viele einen Job.

Zum 20-jährigen Jubiläum der Ausbildungsmöglichkeiten erhielten die Strafgefangenen in Brandenburg gestern hohen Besuch. Justizminister Helmuth Markov (Linke) war nach Brandenburg gekommen, und lobte die Ausbildung in den höchsten Tönen. „Wer hier mitmacht, der kann hinterher eine Arbeit gut ausführen“, sagte Markov. „Ich hoffe, Sie alle nie wieder hier zu sehen.“

Doch der Minister warnte auch, dass die Ausbildung in den Justizvollzugsanstalten künftig mit weniger Geld auskommen müsse: Denn die Reduzierung der Fördermittel für den ESF werde auch die Zuschüsse für die Ausbildung in den Gefängnissen betreffen. Um wieviel genau die derzeit 2,5 Millionen Euro reduziert werden, konnte Markov gestern noch nicht sagen. „Wir sind noch in den Verhandlungen, bitte haben Sie Verständnis.“

Doch die geringer werdenden ESF-Zuschüsse stellen aus Sicht einiger Mitarbeiter der JVA noch das geringste Problem dar: Denn der zu Zeiten der schwarz-roten Koalition geltende Ausbildungsstopp für Justizwachtmeister führt nun dazu, dass in Brandenburg Havel mehr Mitarbeiter in Pension gehen, als am anderen Ende nachrücken, hieß es am Rande des Ministerbesuchs. Und der Altersdurchschnitt unter den JVA-Angestellten liege schon heute bei Mitte 50. Ob der neue Justizminister den Personalbestand verjüngen könne? „Wir hoffen immer“, sagte der Vollzugsleiter der JVA, Kurt Eggebrecht. Er musste Markov g auch begrüßen: Denn der etatisierte Anstaltsleiter Herrmann Wachter ist bekanntlich ins Justizministerium abgeordnet worden, die neue Anstaltsleiterin Petra Wellnitz war noch im Osterurlaub.

Licht ins Dunkel hinter diesem von der Opposition scharf kritisierten Ringtausch ließ sich indes auch gestern nicht bringen: Die Justizangestellten hatten auch gestern keine Erklärung dafür – und Minister Helmuth Markov wurde auf Nachfrage wieder einmal lakonisch: „Zu etwas anderem als der Ausbildung äußere ich mich heute nicht.“

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