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Erdölsuche im Naturpark geplant

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erstellt am 29.Nov.2011 | 11:48 Uhr

Als schönstes Bachtal Ostdeutschlands preisen Einheimische und Besucher das Schlaubetal. Seit 1995 ist das Gebiet zwischen Müllrose im Norden und dem Tagebau Jänschwalde im Süden ein Naturpark. Schon im nächsten Jahr könnte es mit der Idylle in der dünn besiedelten Gegend vorbei sein. Dann will die britische Firma Celtique Energie im Dreieck zwischen Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt und Müllrose seismische Untersuchungen durchführen, die Klarheit über Erdöl- und Erdgasvorkommen bringen sollen.

Dass es diese Lagerstätten in 1500 bis 2000 Metern Tiefe gibt, erbrachten nach Angaben des für Celtique Energie tätigen Geologen Christian Haase Analysen bereits zu DDR-Zeiten. Allerdings erschienen die Vorkommen als nicht besonders ergiebig, eine Förderung unrentabel. "Inzwischen aber haben sich die Preise für Erdöl drastisch erhöht, so dass das Gebiet wieder attraktiv erscheint", sagte Haase bei einer Informationsveranstaltung für Gemeindevertreter und Anwohner. Haases in Karlsruhe ansässige Firma 360plus Consult wurde von den Briten mit der Klärung aller Formalitäten in Deutschland beauftragt. Dazu zählt die verwaltungstechnische Zustimmung der betroffenen Kommunen. Die Stadtparlamentarier von Müllrose stimmten einem sogenannten Gestattungsvertrag bereits zu. Auch im Amt Schlaubetal sieht man die Förderpläne von Celtique Energie mit Wohlwollen. "Wir können schließlich nicht gegen alles sein", sagt Bauamtsleiter Werner Märkisch. Schließlich würde die Region über die Gewerbesteuer von den Aktivitäten der Firma profitieren, ergänzt Amtsdirektorin Ilka Matuschke. Vom Brandenburger Landesbergamt erhielt die Firma eine Erkundungskonzession. Das letzte Wort allerdings haben die fünf zum Amt gehörenden Gemeinden. Und die tun sich schwer mit einer bedingungslosen Zustimmung, wie Haase bei der Infoveranstaltung erfahren musste. "Die Leute sind durch die Vattenfall-Pläne vorbelastet und misstrauisch", sagt Märkisch. Der schwedische Energiekonzern will im Raum Beeskow, in unmittelbarer Nachbarschaft von Müllrose, sowie im Oderbruch das bei der Braunkohleverstromung anfallende Kohlendioxid unterirdisch verpressen. Dagegen protestieren mehrere Bürgerinitiativen.

Vorausgehen sollen auch im Fall von Vattenfall seismische Untersuchungen. "Wer sagt uns denn, dass die Daten aus den seismischen Untersuchungen für die Erdölförderung nicht auch für die Kohlendioxid-Lagerung genutzt werden", fragte eine sichtlich erregte Anwohnerin aus dem Publikum und sprach damit aus, was die Gemüter vieler Bewohner des Schlaubetals bewegt. Geologe Haase versicherte, dass die Daten weder weitergeben noch verkauft werden, erntete dafür aber höhnisches Gelächter aus den Reihen der Zuhörer. Folgen die Amtsgemeinden dem Beispiel Müllroses und stimmen dem Gestattungsvertrag zu, so könnte laut Haase theoretisch bereits im Frühjahr 2012 mit den seismischen Untersuchungen in dem etwa 400 Quadratkilometer großen Gebiet begonnen werden. Für realistischer hält der Geologe allerdings den September 2012 und verweist auf naturschutzrechtliche Bestimmungen, die vor allem in einem Naturpark gelten.

Die etwa 2,5 Millionen Euro teueren geophysikalischen Messungen werden mit sogenannten Vibrationsfahrzeugen entlang vorher festgelegter Messlinien realisiert und dauern etwa sechs Wochen. Die 20-Tonner verfügen über eine Art Rüttelplatte, die Vibrationen in Form von Schallwellen in das Erdinnere senden. Die dort vom Gestein reflektierten Wellen werden durch Geophone gemessen.

Sollte sich tatsächlich eine Erdöl- und Erdgasförderung im Schlaubetal lohnen, so würden keinesfalls überall Bohrtürme aufgebaut und die Landschaft verschandelt, sagt Haase. "Wir gehen von zwei bis drei Stellen aus, an denen elektronische Pumpen in das Öl gehängt werden. Oberirdisch sieht man davon gar nichts", versichert er.

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