Schule : Eltern springen für Lehrer ein

Klassenzimmer bleiben in einigen Schulen oft leer, weil viel Unterricht ausfällt.
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Klassenzimmer bleiben in einigen Schulen oft leer, weil viel Unterricht ausfällt.

Um den Stundenausfall an Brandenburgs Schulen einzudämmen, übernehmen selbst Eltern aushilfsweise den Unterricht, sofern sie die nötigen Qualifikationen vorweisen können.

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19. März 2014, 12:41 Uhr

Das Beispiel der Oberschule Luckenwalde (Teltow-Fläming) soll sich nicht wiederholen. Die Englischkenntnisse von 100 Schülern wurden auf den Halbjahreszeugnissen nicht bewertet, weil der Unterricht nach der Erkrankung von Lehrern de facto nicht stattfand. Mit einem Etat von zehn Millionen Euro versucht das Bildungsministerium jetzt gegenzusteuern. Die eine Hälfte der Summe ist für Neueinstellungen reserviert, die andere als Vertretungsbudget an die Schulen verteilt worden, damit sie eigenständig kurzfristigen Ersatz für erkrankte Pädagogen auftreiben – pensionierte Kollegen, Referendare oder auch Eltern.

Wie im Fall der Burgschule Lebus (Märkisch-Oderland), wo ein Vater für einen langzeiterkrankten Lehrer einspringt. „Er ist Lehrausbilder von Beruf und somit geeignet“, erklärt Schulleiterin Birgit Müller. In Joachimsthal (Barnim) soll eine als Ingenieurin arbeitende Mutter Fächer wie Biologie, Geografie, Mathematik und Englisch geben. „Es geht nicht darum, dass die Schüler nur beschäftigt werden, sondern dass der Unterricht fachgerecht vertreten wird“, sagt Stephan Breiding, Sprecher des Brandenburger Bildungsministeriums. Mit dem jährlichen Etat, der je nach Schulgröße zwischen 3000 und 16 000 Euro schwankt, soll vor Ort ein Pool von geeigneten Aushilfskräften aufgebaut werden, um auf Ausfälle kurzfristig reagieren zu können.

Eine erste Zwischenbilanz will das Ministerium vor Ostern vorlegen. „Bislang haben wir positive Rückmeldungen“, sagt Breiding. Im zweiten Halbjahr des vergangenen Schuljahres konnten laut Ministerium 10,6 Prozent aller Stunden nicht wie geplant erteilt werden – dieser Wert steigt seit Jahren kontinuierlich an. Tatsächlich ausgefallen seien aber lediglich 2,1 Prozent des Unterrichts.

Der Landeselternrat Brandenburg beobachtet das bundesweit einmalige Experiment der Rekrutierung qualifizierter Vertretungskräfte mit Skepsis. „Wir hatten da schon Bedenken, aber vermutlich ist es die einzig flexible Lösung“, sagt Vorstandssprecher Wolfgang Seelbach. Eine Verquickung des fünf Millionen Euro-Budgets mit dem Einsatz von Eltern ist jedoch aus seiner Sicht nicht zulässig.

Der Kreiselternrat Havelland dagegen stellt das gesamte Projekt in Frage: „Wenn es auf dem brandenburgischen Lehrermarkt kaum qualifizierte Lehrer für die naturwissenschaftlichen Fächer gibt, hilft den Schulen auch das beste Budget nichts“, sagt dessen Vorsitzender Burkhard Meyer zu Natrup und fordert nachhaltigere Lösungen. Die zehn Millionen Euro seien unzureichend, um die Schulen „wieder in die Lage zu versetzen, ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag ohne größere Stundenausfälle gut nachkommen zu können.“

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