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Lustgarten und Mercure als Zankapfel: : Eine teure Phantomdebatte

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Für 520 000 Euro aus Städtebaufördermitteln wurde ein sogenanntes Werkstattverfahren initiiert, das seines Gleichen sucht. In der ersten Phase kamen rund 1000 Potsdamer vorbei und äußerten ihre Wünsche.

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erstellt am 07.Jan.2015 | 14:08 Uhr

Über den Lustgarten vor dem Potsdamer Filmmuseum pfeift ein eisiger Wind. Mitten im Niemandsland zwischen Landtag, Hotel Mercure und dem Innenministerium steht eine einsame rote Containerbox. Darin soll der Potsdamer sich informieren und vor allem mitbestimmen, wie der Lustgarten einmal aussehen soll.

Für 520  000 Euro aus Städtebaufördermitteln wurde ein sogenanntes Werkstattverfahren initiiert, das seines Gleichen sucht. In der ersten Phase kamen rund 1000 Potsdamer vorbei und äußerten ihre Wünsche. In erster Linie geht es darum, ob das seit Jahren umstrittene Hotel Mercure, das dem Landtagsschloss genau vor der Nase sitzt und es vom historischen Neptunbecken abschneidet, abgerissen werden soll.

Die Meinungen waren erwartungsgemäß geteilt. Die Ergebnisse wurden zu einer Broschüre zusammengefasst und diese sieben Landschaftsplanungsbüros in die Hand gedrückt, die ebenso viele Entwürfe lieferten. Diese konnten Woche bewertet werden. Dann gibt es die nächste Broschüre und die sieben Entwürfe werden überarbeitet. Mitte diesen Jahres ist die Meinungsbildung abgeschlossen. Dann wird keine der Ideen umgesetzt, sondern die Mappen zugeklappt und die Box abgebaut.

„Es ist völlig gaga, so viel Geld für nicht umsetzbare Pläne zum Fenster rauszuwerfen“, schimpft Pete Heuer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD in der Stadtverordnetenversammlung. Ausnahmsweise ist er sich da einmal mit dem Fraktionschef der Linken, Hans-Jürgen Scharfenberg, einig – auch wenn die Beweggründe unterschiedlich sind.

Die Linke will das Hotel erhalten, zumindest kein Geld für dessen Beseitigung ausgeben. In der SPD hat man eingesehen, dass man das Hochhaus nicht los wird.

Der Betreiber macht keine Anstalten, es aufzugeben und selbst wenn, wären die vor zwei Jahren genannten 20 Millionen Euro für den Erwerb und der anschließende Abriss nicht mit öffentlichen Geldern zu stemmen. Software-Milliardär, Hasso Plattner, hatte der Stadt damals den Abriss und eine neue Kunsthalle an dieser Stelle schenken wollen, zog sich aber zurück, als sich Befürworter und Gegner der Idee einen regelrechten Glaubenskrieg lieferten.

Nun will die Stadtverordnetenversammlung innerhalb des Jahres die Sanierungssatzung für den Lustgarten konkretisieren. Es soll beschlossen werden, keine Veränderungen am Hotel zuzulassen – in der Hoffnung, dass ohne eine Sanierung der Fassade oder ohne äußere Umbauten sich die Attraktivität des Hotels verringert und der Eigentümer von selbst den Betrieb aufgibt oder es billig der Stadt zum Abriss überlässt.

Das kann sich noch Jahrzehnte hinziehen, heißt es in Potsdam. Heuer warnt davor, dass die vorgelegten sieben Pläne für den Lustgarten, die alle von einem Abriss des Hotels ausgehen, falsche Erwartungen und damit Enttäuschungen hervorrufen. Schließlich wird keiner der sieben Gestaltungsentwürfe Bestandteil der geänderten Sanierungssatzung werden.

Strittig ist neben dem Hotel auch der Erhalt der Steinfläche gegenüber vom Filmmuseum. Sie wurde als zentraler Festplatz der Stadt angelegt. Eine Begrünung würde die Stadtfeste, Konzerte und großen Trödelmärkte aus der Stadtmitte verbannen. Jürgen Becker hat es eilig, als er kürzlich in die rote Box eilt und für den Entwurf mit den barocken grünen Quadraten samt kleinen Springbrunnen stimmte. Die Grünflächen gefallen dem 66-jährigen Potsdamer eigentlich nicht. Er will den Festplatz erhalten.

Seiner Meinung nach sollte auch nur der Bettenturm des Hotels verschwinden, der Sockel aber für die Weiße Flotte erhalten bleiben. Becker hat trotzdem für den Entwurf gestimmt, weil der die Straße vor dem Landtag und dem Filmmuseum statt vierspurig nur noch zweispurig sieht. Wenn die wichtigste Verkehrsachse in die Innenstadt verengt wird, kommt vielleicht endlich eine neue Entlastungsstraße mit einer weiteren Havelbrücke, so seine Rechnung. Leider geht sie nicht auf. Denn die in den 90er-Jahren diskutierte neue Havelquerung würde den Verkehr durch den südlichen Lustgarten führen. Genau das würde mit der neuen Sanierungssatzung aber nicht mehr gehen.

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