Interview : „Ein zusätzlicher Zug würde frühestens 2015/16 fahren“

Minister  Jörg Vogelsänger
Minister Jörg Vogelsänger

Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) will die Wünsche der Prignitzer prüfen.

svz.de von
26. Juli 2014, 07:45 Uhr

Könnte ein Nachtzug von Berlin nach Wittenberge eingeführt werden? Was passiert mit maroden Brücken? Benjamin Lassiwe sprach darüber mit Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD).

In der Prignitz sind mehr als 5000 Unterschriften für eine zusätzliche Nachtverbindung auf dem RE 2 gesammelt worden. Ist diese realisierbar?
Jörg Vogelsänger: Zunächst einmal ist das etwas sehr Positives, dass Menschen sich für bessere Bahnverbindungen einsetzen. Wir prüfen deswegen auch, ob wir einen späteren Zug nach Wittenberge einrichten können. Das Angebot gab es allerdings schon einmal und ist damals nicht besonders genutzt worden. Ich weiß heute auch noch nicht, wie viele Regionalisierungsmittel ich 2015 noch zur Verfügung haben werde.
Gibt es dort keinen Ansatz im Bundeshaushalt?
Dort stehen weiter die 7,3 Millionen Euro, die schon in den letzten Jahren dort standen. Aber derzeit ist es so, dass diese Mittel im Haushaltsentwurf der Bundesregierug nicht dynamisiert sind – während Stations- und Trassenpreise sowie Energiekosten steigen. Deswegen findet die Prüfung eines zusätzlichen Zugangebotes erst für das Fahrplanjahr 2015/2016 statt.
Probleme gibt es auch im Fernverkehr: Die Bahn will den einzigen Direktzug von Berlin über Cottbus und Forst nach Polen, den EuroCity „Wawel“, kappen. Wie gehen Sie damit um?
Mir wurde gesagt, der Hauptgrund dafür seien Bauarbeiten auf polnischer Seite. Dem muss man noch einmal nachgehen. Denn wenn das so ist, erwarte ich, dass der Zug nach Ende der Bauarbeiten wieder fährt. Und ich hoffe, dass die Region so lautstark bleibt, wie sie ist. Für die Lausitz ist es wichtig, dass das bisschen Fernverkehr, dass da noch da ist, bleibt.
Der „Wawel“ fuhr zeitweise nur mit zwei Waggons, ohne Speisewagen und immer hinter einem Regionalzug her. Was nutzt so ein Zug noch?
Es ist ein Symbol. Es ist der einzige Zug von Berlin und Cottbus nach Krakau und Breslau. Er darf nicht untergehen.
Insgesamt gibt es in Brandenburg nur noch wenige Fernverkehrshalte. Was kann das Land machen, damit mehr Fernzüge in der Mark halten?
Der Fernverkehr ist ein eigenwirtschaftliches Angebot der Bahn. Wir können nur immer wieder mit der Bahn reden, und deutlich machen, dass wir ein attraktiver Standort für das Eisenbahngeschäft sind. Und wir können die Voraussetzungen für die Bahn schaffen, zum Beispiel, in dem wir den Streckenausbau zum Beispiel zwischen Berlin und Dresden mit Fördermitteln unterstützen. Wir machen der Bahn Mut, das Angebot in Brandenburg entsprechend zu nutzen.
Wo Sie dennoch um den Fernverkehrshalt in Elsterwerda kämpfen müssen.
Auch hier gilt: Ich gehe davon aus, dass der Zug für die Pendler dort wieder hält, wenn die Bauarbeiten vorbei sind. Allerdings mit anderen Zielen: Die Bahn will ja nicht nur den „Wawel“ kappen, auch der traditionsreiche „Vindobona“, der bislang von Hamburg über Berlin und Dresden weiter nach Prag, Wien und sogar Villach verkehrt, soll ja zum Fahrplanwechsel durch einen Zug nach Budapest ersetzt werden – womit auch die Direktverbindung Berlin-Wien entfallen würde.
Das Land fördert nach Kräften einen attraktiven Regionalverkehr. Züge, die im Stundentakt von Frankfurt (Oder) nach Magdeburg fahren oder von Berlin zur Ostsee. Machen Sie damit dem Fernverkehr so Konkurrenz, dass er sich nicht mehr lohnt?
Die Geschichte geht ja anders herum. Die Bahn hatte damals die Interregio-Züge beerdigt. Und die Länder haben Interesse daran, dass den Nutzern der Bahn in Brandenburg attraktive Angebote gemacht werden. Dazu gehört auch, dass wir Regionalverbindungen länderübergreifend gestalten. Die Ostseeküste hat zum Beispiel ein lebendiges Interesse daran, an die Region Berlin-Brandenburg angebunden zu werden.
Was eigentlich eine Aufgabe des Fernverkehrs wäre.
Das ist richtig, aber der Bund kommt hier seiner Aufgabe nicht ausreichend nach. Daher haben wir uns im Sinne der Fahrgäste mit den Nachbarländern abgestimmt und die jeweiligen Nahverkehrszüge zu einer durchgehenden Verbindung verknüpft.
Das Schienennetz in Brandenburg ist auch marode und die Brücken.
Es ist so wie bei Autobahnen und Bundesstraßen: Dafür sind wir auch auf den Bund angewiesen. Und bei Autobahnen und Bundesstraßen sind wir da ja auch gut vorangekommen. Bei den Schienenwegen ist das leider nicht so. Und die Brückenfrage ist eine dramatische Frage, denn das wird zu Langsamfahrstellen und unattraktiven Zugverbindungen führen. Am Ende können dann dramatische Einschränkungen im Zugbetrieb stehen. Deswegen müssen wir hier dringend investieren.
Die Bahn setzt mittlerweile auf die Straße – zum Beispiel durch einen „Intercitybus“ auf der Strecke des Wawel. Wie sehen Sie das Thema Fernbusse?
Das ist durch die Novelle des Personenbeförderungsgesetzes möglich geworden. Aber Fernbusse dürfen immer nur ein Ergänzungsangebot bleiben. Wir müssen dafür sorgen, dass der Schienenverkehr weiter attraktiv bleibt.

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