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Ein umtriebiger Einzelkämpfer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit seinem Austritt aus der SPD ist Christoph Schulze in der Parteienlandschaft viel herumgekommen

svz.de von
erstellt am 15.Sep.2014 | 14:42 Uhr

Bei den Landtagswahlen hat Christoph Schulze für die Sensation gesorgt: Die Freien Wähler sind im Parlament. Denn der Mediziner aus Zossen hat es geschafft. Den Wahlkreis, den er seit 1990 bei jeder Landtagswahl gewonnen hatte, gewann er ein sechstes Mal. Aber eben als Spitzenkandidat der „Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen/Freie Wähler“, wie seine Listenverbindung offiziell heißt.

Fünf Mal zuvor war er für die SPD erfolgreich. Denn schon im Dezember 1989 war der aus einem evangelischen Elternhaus stammende Schulze der Sozialdemokratischen Partei in der DDR beigetreten. „Wir sprachen endlich aus, was uns nicht gefiel und was wir ändern wollten“, schrieb Schulze später darüber auf seiner Homepage.

Schnell machte der eloquente Redner eine steile Karriere: In der Kommunalpolitik wurde er Kreisgeschäftsführer, Kreisvorsitzender und Vorsitzender des Kreistags. Und auf Landesebene war er eine Wahlperiode lang, von 2004 bis 2009, Parlamentarischer Geschäftsführer der Sozialdemokraten. Doch Christoph Schulze blieb sich treu. Er sprach Dinge aus, die ihm nicht gefielen. Er ließ sich nicht verbiegen. Vor allem nicht bei einem Thema, das ihm in den letzten Jahren immer wichtiger wurde: Dem Großflughafen BER.

Jahrelang kämpfte Schulze gegen den Standort Schönefeld. Als der Landtag die Volksinitiative zum Nachtflug ablehnte, trat er Ende 2011 aus der SPD-Fraktion aus. Die SPD habe es versäumt, sich an die Seite der Menschen zu stellen, sagte er damals.

Doch es gibt noch eine andere Lesart. Nicht erst 2011 hing der Haussegen zwischen Schulze und dem Rest der SPD im Landtag schief. „Wir hatten gehofft, Du würdest es nicht schaffen“ - mit diesen Worten gratulierten SPD-Vertreter dem direkt gewählten Abgeordneten schon 2009 zum Wiedereinzug in den Landtag, erinnert sich Schulze noch heute. Nach seinem Fraktionsaustritt blieb der Mediziner zunächst parteilos.

In dieser Zeit verfasste er unzählige kleine Anfragen zum BER, dazu 19 Anträge - allesamt wurden sie vom Landtag abgelehnt. Was Schulze selbst vielleicht mit dem Begriff „Beharrlichkeit“ beschreiben würde, charakterisierten Außenstehende als „solides Querulantentum“. Schließlich trat das SPD-Urgestein Schulze für ein gutes Jahr den Grünen bei – ein Experiment, das die Spitzenkandidaten bei der letzten Landtagswahl, Axel Vogel und Ursula Nonnemacher, nach eigenen Angaben nicht mehr wiederholen möchten. Man habe sich in der Fraktion gut verstanden, es gebe aber auch manche inhaltliche Unterschiede, formulierte Nonnemacher diplomatisch.

Nun jedenfalls hat Christoph Schulze wieder Oberwasser. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, kündigte der Spitzenkandidat der Freien Wähler an. In der nächsten Legislaturperiode will der Mediziner parallel zu seiner Facharztausbildung als Allgemeinmediziner das Flughafenthema weiter bearbeiten – und sich zudem als Ansprechpartner von Bürgerinitiativen und Bürgerbegehren im Landtag profilieren. Und eine Bereicherung für das Potsdamer Parlament ist der energische, zuweilen unkonventionelle Abgeordnete auf jeden Fall.


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