Wittenberge : Die Unmoral der Kirche

Gemeinden lassen Projekte von rechter Stiftung finanzieren - auch in Wittenberge.

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22. Juni 2015, 15:18 Uhr

Am Sonntagmorgen wirkte sie noch am Jubiläumsgottesdienst im Dom zu Brandenburg mit: Heilgard Asmus, seit 2010 Generalsuperintendentin von Potsdam und auch für die Prignitz und die Uckermark zuständig.

Am Sonntagabend dann flimmerte sie über die Mattscheiben Brandenburgs – und sorgte für Entsetzen. Denn in einem Beitrag des RBB gibt Asmus eine politisch wie historisch fragwürdige Äußerung ab: „Ich vermute, es ist zu einfach zu sagen, am 1. September ’39 hat der zweite Weltkrieg durch Deutschland begonnen und Deutschland war ganz allein Schuld und alle anderen wollten gar keinen Krieg, die Großmächte.“
Anlass war wieder einmal der Streit um die Potsdamer Garnisonkirche – und hier besonders die „Stiftung Preußisches Kulturerbe“ des ehemaligen Bundeswehroberstleutnants Max Klaar. Die Stiftung hatte den Wiederaufbau der Garnisonkirche mit finanziert, sich dann aber mit der von Wolfgang Huber und anderen Kirchenvertretern gegründeten Fördergesellschaft für den Wiederaufbau zerstritt. Denn Klaar fällt immer wieder mit Äußerungen an der Grenze zum Rechtsradikalismus auf. Laut RBB sagte er sogar: „Deutsche haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als den Tag anzusehen, an dem die Ausschlachtung des völlig entrechteten Deutschlands begann! Das sollten wir jedem entgegnen, der uns mit der ‘Befreiungs-Lüge‘ kommen will.“

Dazu befragte das Fernsehen Heilgard Asmus – denn ungeachtet der Äußerungen und der politischen Positionen Klaars nehmen zahlreiche Kirchengemeinden, aber auch öffentliche Institutionen wie der Landtag weiter dankend sein Geld entgegen. Laut der Homepage der Stiftung haben etwa die Potsdamer Nikolaikirche 300 000 Euro und die katholische Kirche St. Peter und Paul 82 500 Euro von Klaar erhalten.

Für den Figurenschmuck am neuen Landtagsgebäude spendete er 25 000 Euro, für die Wiederherstellung der Turmkrone der katholischen Kirche in Wittenberge immerhin 10 000 Euro.
Ist das Annehmen solcher Spenden moralisch in Ordnung? Der RBB zitierte dazu den Politologen Hajo Funke. Wenn Gemeinden die Gelder dieser Stiftung annähmen, sei eine „Kontaminierung durch das Geld vorhanden.“ Und die Geschäftsführerin des Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, Anna Spangenberg, verwies gegenüber dieser Zeitung darauf, dass es bei Spenden immer die Frage gebe, „von wem man Geld nimmt, und von wem man kein Geld nimmt.“ Beim Aktionsbündnis müsste das der Vorstand entscheiden - „aber ich glaube nicht, dass das durchkäme.“


Reaktion auf TV-Beitrag


Und die Kirchen? Immerhin war Heilgard Asmus einst auch Vorsitzende des Brandenburger Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Gestern hielt sie in einer „Klarstellung“ fest: „Für mich steht außer Zweifel, dass Deutschland die alleinige Schuld an dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges trägt.“ „Ich bedaure außerordentlich, dass durch Verkürzung meiner Aussagen in dem RBB-Beitrag der Eindruck entstanden ist, dass ich an dieser Tatsache Zweifel hätte.“

Zur Frage, ob es gerechtfertigt sei, dass Kirchengemeinden in Brandenburg Gelder der rechten Stiftung annehmen, äußerte sich Asmus jedoch nicht. Und die Sprecherin der EKBO, Heike Krohn, sagte, dass am Ende jede Kirchengemeinde selbst entscheiden müsse, ob sie Gelder von Max Klaar annehme. „Die Landeskirche und die Kirchengemeinden vertreten nicht die politischen Ziele und Einschätzungen von Herrn Klaar“, sagte Krohn.

Das römisch-katholische Erzbistum Berlin ist da deutlicher: „Eine künftige Zusammenarbeit mit der Stiftung preußisches Kulturerbe oder eine weitere Unterstützung durch die Stiftung sind ausgeschlossen“, sagte der Sprecher Stefan Förner.

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