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Porträt : Der sportliche Triple-Politiker

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Biographie allerdings unterscheidet beide Kandidaten deutlich: Während Woidke zu DDR-Zeiten in der evangelischen Kirche engagiert war, trat Görke als einziges Mitglied seiner durchgehend zur CDU gehörenden Familie 1985 in die SED ein.

Zum gemeinsamen Joggen mit Ministerpräsident Dietmar Woidke hat es Christian Görke noch nicht geschafft. „Aber wir sind uns ähnlich: Pragmatisch, bodenständig und offen“, sagt der Sportlehrer aus Rathenow, der seit einigen Monaten Finanzminister ist, zuvor Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Landtag war, und für die Linkspartei bei den Landtagswahlen am 14. September als Spitzenkandidat antritt.

Die Biographie allerdings unterscheidet beide Kandidaten deutlich: Während Woidke zu DDR-Zeiten in der evangelischen Kirche engagiert war, trat Görke als einziges Mitglied seiner durchgehend zur CDU gehörenden Familie 1985 in die SED ein. „Damals gab es schon Glasnost und Perestrojka“, sagt Görke. „Und ich sagte mir: Diese DDR willst Du verändern.“ Bewusst entschied sich der Pädagoge für die SED: „Diese Partei hatte schließlich die Macht.“

Zu spät erkannte er: „Diese DDR war nicht mehr zu verändern.“ Der SED, der PDS und der heutigen Linkspartei blieb Görke indes auch nach der Wende treu. „Mich hat geärgert, dass wir nach der Wende ohne große Diskussion alles aus Nordrhein-Westfalen übernommen haben“, sagt Christian Görke, der sich 1990 in den Rathenower Stadtrat wählen ließ. „Zum Beispiel das alte gegliederte Schulsystem.“

Geht es nach der Linken, soll sich das in Brandenburg in Zukunft ändern. Die Partei kämpft dafür, besonders in bevölkerungsarmen Gegenden Gemeinschaftsschulen einzuführen. Die Begründung dafür findet Görke in der Demographie: „Die Zahl der Schüler wird in den nächsten Jahren massiv sinken und wir wollen wohnortnah die alle Schulabschlüsse anbieten“ , so der Finanzminister. „Wir müssen uns in der kommenden Legislaturperiode darauf einstellen, um nach 2019 vorbereitet zu sein.“ Doch klar ist für den Finanzminister auch: Es soll keinen „Kulturkampf“ der Schulsysteme gegeneinander geben. „Wir werden keine Schule schließen.“

Und er erinnert daran, dass die rot-rote Koalition die Mittel für die Bildungspolitik in der zu Ende gehenden Legislaturperiode um gut ein Viertel erhöht habe. „Da frage ich mich schon: Warum stellen sich die Effekte nicht ein, die wir gerne hätten“, sagt Görke. Will die Linke nach den Wahlen das Bildungsressort übernehmen? Christian Görke weicht bei dieser Frage aus. „Wir haben gezeigt, dass wir z.B. Finanzen, Wirtschaft, Gesundheit und Justiz und Europa können“, sagt der Minister. „Und wir können noch mehr.“

Im Moment allerdings kann vor allem Christian Görke. Spitzenkandidat, Landesvorsitzender und Finanzminister: Der Havelländer vereint gleich drei Ämter in seiner Person. Wie das zu schaffen ist?

Im Auto isst Görke nur gesunde Äpfel, regelmäßig bemüht er sich um Lauftraining. „Aber ich würde gerne auch mal einen Trainingsplan komplett abarbeiten“, sagt Görke. Und für die Zeit nach dem 14. September hat er sich fest vorgenommen, wieder regelmäßiger mit seinem Volleyballteam zu trainieren. „Ohne gute Kondition hält man so etwas einfach nicht durch“, sagt der Sportlehrer.

Wie sehr dem Spitzenkandidaten der Linken im Wahlkampf die Zeit mit der Familie fehlt, merkte er erst kürzlich, als ihm seine als Model arbeitende Tochter die Titelseite einer großen Modezeitschrift schickte, mit ihrem Foto auf Seite eins. „Ich habe wirklich geglaubt, sie hätte es geschafft“, sagt Görke. „Dabei hat sie mich nur in den April geschickt.“

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