zur Navigation springen
Politik BB

19. November 2017 | 09:58 Uhr

Landtagswahl : Der Preuße

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Begegnung mit Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD in Brandenburg

Es ist eine der schönsten Villengegenden Potsdams. Ein breites Treppenhaus führt in den zweiten Stock des Wohnhauses, das einst für preußische Beamte errichtet wurde. Alexander Gauland öffnet eine alte Holztür, bittet den Besucher in die Bibliothek. In den Regalen stehen Klassiker der Geschichtswissenschaft – Werke von Ranke und Mommsen, und nicht zu vergessen Steven Runcimans „Eroberung von Konstantinopel“.

Alexander Gauland, der bei der Landtagswahl am 14. September als Spitzenkandidat der AfD antritt, ist ein Intellektueller, konservativ, ein Verehrer des alten Preußen. Als CDU-Politiker war er Chef der Hessischen Staatskanzlei. Später wurde er Herausgeber einer Potsdamer Tageszeitung. Wie kommt man von da zur AfD?

„Ich bin mit vielem in der CDU unzufrieden gewesen“, sagt Gauland. Das betraf die Eurorettung, aber auch die Energiewende. „Und die Wehrpflicht habe ich immer als Herzblut der Union empfunden – und dann wird sie von einem auf den anderen Tag abgeschafft.“ Ein Freund empfiehlt ihm den Kontakt mit Bernd Lucke, dem AfD-Gründer. „Ich war skeptisch, fand aber den Lucke gut – ein guter Redner, ein schneller Denker.“ Als die AfD gegründet wird, ist Gauland dabei. Er wird gefragt, ob er sich auch in Brandenburg engagieren will. Er will. Was in Potsdam nicht jeder versteht.

Auf der Landesliste der AfD finden sich mehrere Bewerber, die zuvor bei der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“ antraten. Nach rechts außen sei die AfD nicht richtig dicht, urteilt der SPD-Generalsekretär Klaus Ness, mit dem Gauland regelmäßig über politische Bücher diskutiert. „Stimmt nicht“, sagt Gauland. Ehemalige Mitglieder der DVU oder der NPD würden nicht aufgenommen. „Rassistische Äußerungen, eine Verherrlichung des Nationalsozialismus, das geht nicht – sonst haben Sie irgendwann keine Partei mehr, sondern einen Verein von Spinnern.“ Aber die Ex-Mitglieder der „Freiheit“? Immerhin war ein AfD-Kandidat einst stellvertretender Landesvorsitzender dieser Partei. „Jeder von uns kann sich im Leben irren“, sagt Gauland. „Und wenn jemand sagt, er hat sich geirrt, kann man ihn nicht dauerhaft vom politischen Leben ausschließen – auch ehemalige SED-Mitglieder und sogar Stasi-IMs sitzen ja im Landtag.“

Klare Vorstellungen hat Gauland bei der inneren Sicherheit: Im Kampf gegen die Grenzkriminalität kann er sich gut vorstellen, das Schengener Abkommen über die Reisefreiheit auszusetzen, falls das Problem nicht anders lösbar ist. „Ich halte es auch für richtig, dass in der Kriminalitätsstatistik dargestellt wird, woher Menschen kommen, die bestimmte Delikte begangen haben“, sagt Gauland.

Auch beim BER wird der Potsdamer deutlich: „Soll man dieses Abenteuer nicht besser beenden, und einen privaten Investor einen Flughafen in Sperenberg oder Jüterbog bauen lassen?“ Das, was in Schönefeld stattfinde, sei doch „nur noch lächerlich“. Fortsetzen will Gauland dagegen den Braunkohleabbau in der Lausitz. Auf die Spreeverockerung angesprochen, verweist der AfD-Spitzenkandidat auf die Seenlandschaften bei Bitterfeld. „Ich kann mir gut vorstellen, dass nach einer schweren Abbauzeit wieder Landschaften entstehen, wo Menschen gerne leben wollen.“

Was die anstehende Wahl in Brandenburg betrifft, ist Gauland optimistisch. Sollte die AfD in den Landtag kommen, wäre er der Alterspräsident. An ihm läge es dann, die Eröffnungsrede zu halten. Wie er das macht, weiß er noch nicht. „Aber eines habe ich fest vor“, sagt Gauland. „Ich will mir noch einmal die Eröffnungsrede von Stefan Heym im Deutschen Bundestag ansehen – die war nämlich sehr gut.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen