er weiß damit nichts anzufangen : Der Minister und die unbestellte Terrasse

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In den nächsten Tagen zieht sein Ministerium aus einem mehr als 20 Jahre genutzten Container-Provisorium in einen Neubau auf dem Gelände des Innenministeriums in der Potsdamer Innenstadt.

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07. August 2015, 22:00 Uhr

Terrassen sind in Potsdam heiß begehrt. Nur einer, der ab dieser Woche eine solche zur Verfügung hat, weiß damit nichts anzufangen: Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). In den nächsten Tagen zieht sein Ministerium aus einem mehr als 20 Jahre genutzten Container-Provisorium in einen Neubau auf dem Gelände des Innenministeriums in der Potsdamer Innenstadt. Das Sozialministerium, mit dem man sich das Haus teilt, ist schon eingezogen.

„Wir haben mit Erstaunen festgestellt, dass der Minister eine Terrasse vor dem Büro hat, erklärt Sprecher Jens-Uwe Schade. Und was für eine: Stolze 63 Quadratmeter misst der Frischluftbereich mit Blick über Potsdam. Das Ministerbüro selbst ist 45 Quadratmeter groß. Laut Schade sei nicht klar, warum dieser Luxus gebaut wurde und wozu er genutzt werden soll. Zumal keine Möbel oder Sonnenschirme zur Verfügung gestellt werden.

Im Ministerium selbst wurde vermutet, dass Vorgängerin Anita Tack (Linke) den Außenbereich bestellt hatte. Das weist diese vehement zurück. „Wer bin ich denn, dass ich mich in die Bauplanungen eingemischt hätte“, weist sie die Spekulationen zurück. Der Bau sei wohl so geplant worden, mutmaßt sie.


Kein Geld für Liege und Sonnenschirm


Das graue Bürogebäude war im Mietkaufverfahren von einem privaten Investor errichtet worden. Das Land zahlt 30 Jahre lang für die Nutzung insgesamt knapp 80 Millionen Euro und ist dann Eigentümer des Hauses.

Im Finanzministerium, das den Bauvertrag aushandelte, wird darauf verwiesen, dass das Gebäude unterschiedliche Höhen aufweist. Da hätten sich Terrassen förmlich angeboten. Es gebe mehrere Austritte, vor allem vor Besprechungsräumen und Teeküchen. Keine ist jedoch so groß wie die des Ministers. Eine Sprecherin des Finanzministeriums erklärt, dass das Umweltministerium wie jedes Haus über ein Budget für Möbel verfügt. Es stehe Vogelsänger frei, die Terrasse zu möblieren, falls es das Budget zulasse. Anderenfalls könne er auch den Ministertrakt mit Sozialministerin Diana Golze (Linke) tauschen. Deren Büro verfügt über keinen Außenbereich. Das Gebäude sei schließlich in mehreren Segmenten unterteilbar, die unterschiedliche Nutzungsvarianten ermöglichen.

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