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Vielschichtige Persönlichkeit: : Der liberale Kaffee-Mormone

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Landtag hat sich Büttner auf die Bildungspolitik spezialisiert. Und sich dafür Respekt erworben. „Die Ministerin wurde gebüttnert“ - hörte man, wenn der als einer der FDP-Bildungspolitiker seine Lieblingsgegnerin, Bildungsministerin Martina Münch, im Plenarsaal geradezu in Einzelteile zerlegte.

Bis zum Montag vergangener Woche wirkte es wie ein aussichtsloses Unterfangen: Spitzenkandidat Andreas Büttner tritt dafür ein, dass die FDP auch dem nächsten Landtag angehört. Dann startete die Partei in den Landtagswahlkampf. Unser Potsdamer Korrespondent Benjamin Lassiwe hat Andreas Büttner (FDP) zu einem Kaffee getroffen.

Es war ein Foto, das durch ganz Deutschland ging. Am vergangenen Montag hielten Andreas Büttner, der Spitzenkandidat der FDP, und sein Landesvorsitzender Gregor Beyer eine verkleinerte Ausgabe des Wahlplakats der Liberalen in die Kameras. „Keine Sau braucht die FDP“, stand darauf. Auch im heimatlichen Grunwald bei Templin rieben sich die Menschen die Augen, als sie den Slogan das erste Mal sagen. Dort lebt Andreas Büttner seit 1997: Der aus Hessen stammende Oberkommissar der Berliner Polizei war mit seiner Frau und den drei Kindern aufs Land gezogen. „Wir wollten damals raus ins Grüne“, sagt Büttner.

Damals war er noch in der Jungen Union, der Jugendorganisation der CDU. Doch ein Gespräch mit dem örtlichen Vorsitzenden der Jungen Union in Templin, dem heutigen Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann, brachte nur wenig Gemeinsamkeiten. „Also bin ich in die FDP eingetreten.“

Im Landtag hat sich Büttner auf die Bildungspolitik spezialisiert. Und sich dafür Respekt erworben. „Die Ministerin wurde gebüttnert“ - mehr als einmal hörte man im Laufe der Legislaturperiode diese Formulierung, wenn der als einer der besten Redner des Landtags geltende FDP-Bildungspolitiker seine Lieblingsgegnerin, Bildungsministerin Martina Münch (SPD), im Plenarsaal geradezu in Einzelteile zerlegte.

Die Debatte um die Schulen in Freier Trägerschaft, die Neueinstellung von Lehrern, der Unterrichtsausfall waren Themen, die Büttner bewegten. „Sollte ich je im Bildungsministerium etwas verändern können, würde ich sofort alle Abteilungsleiter austauschen“, sagt der FDP-Politiker. „Und ich würde dafür sorgen, dass Eltern, Lehrer und Schüler jederzeit Zugang zum Ministerbüro erhielten.“

Doch dazu müsste die FDP überhaupt erst einmal wieder in den Landtag kommen. „Wir werden kämpfen“, sagt Büttner. „Ausgehend von den Kommunalwahlen fehlen nur etwa 30 000 Stimmen, das ist schaffbar.“ Kritik übt Büttner dabei an der Bundespartei. „Von dem, was 2009 im Koalitionsvertrag stand, haben wir im Grunde nichts umgesetzt“, sagt Büttner. „Es ist deswegen kein Wunder, dass die Menschen der FDP nicht mehr vertrauen.“ Aus Sicht des FDP-Spitzenkandidaten ist es wichtig, dass seine Partei künftig nur noch erfüllbare Versprechen abgibt. „Lieber etwas weniger versprechen, dafür mehr umsetzen“, sagt der Landtagsabgeordnete.

Daheim in der Uckermark, erholt sich der Politiker auf der Orgelbank. Schon als Jugendlicher begann er, Gottesdienste musikalisch zu begleiten. Heute hat er die C-Prüfung als Kirchenmusiker, und ist in den evangelischen und katholischen Kirchen der Uckermark fleißig im Einsatz. „Mein Lieblingskomponist ist Camille Saint-Saens“, sagt Büttner. „Der hat tolle Orgelwerke geschrieben.“ Das bei Familienfeiern oft gewünschte „Danke“-Lied findet der FDP-Politiker dagegen „schlicht nervig.“ Die Orgel spielt Büttner im Übrigen auch bei den Mormonen, denn wie schon seine Eltern gehört auch der Landtagsabgeordnete der amerikanischen Freikirche an.

Zur Lehre seiner Kirche allerdings geht er auf Distanz: Im Landtag trinkt er gerne einen Cappucino, obwohl der Kaffeegenuss bei den Mormonen eigentlich nicht gern gesehen wird. Und während seine Kirche strikt gegen Homosexualität eintritt, übernahm Büttner die Leitung des Vereins „UMqueer“, der sich für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben in der Uckermark einsetzt. „Mir persönlich ist das ein wichtiges Thema“, sagt Büttner. „Und ich finde, es ist das beste Zeichen von Liberalität und Gleichstellung, wenn ein heterosexueller Familienvater an der Spitze eines Schwulenvereins steht.“
 

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